Loyal Arts Club: Das Ende als Anfang

Ich bin zu traurig, um dich umzubringen: Graffito von Marc Bijl. Foto: Fröhlich

Kassel. Was kommt nach der Katastrophe? Im Falle eines Flugzeugabsturzes versucht man anhand des Flugschreibers den Unfall nachzuvollziehen.

Doch dass die beiden demolierten „Datarecorder“, die der Künstler Oliver van den Berg diesen Geräten nachempfunden hat und die den Beginn der Gruppenausstellung „this is not the end“ im Loyal Arts Club markieren, tatsächlich etwas preisgeben, kann man bezweifeln. „Man erwartet von ihnen Antwort auf offene Fragen - aber diese Antwort bleibt uns verschlossen“, sagt die Ausstellungskuratorin Andrea Linnenkohl. Die irritierend makellose, von keinem Kratzer verunzierte Oberfläche der zerknautschten Quader weist uns zurück.

„This is not the end“ handelt von Auflösung, Unterdrückung, Zerstörung. Und von dem Neuen, das daraus erwachsen kann - vielleicht. Zwölf Positionen von Künstlern vornehmlich aus Kassel und Berlin, aber auch internationaler Herkunft, formieren sich zu einer komplexen Erzählung über Endzustände und die Möglichkeiten des Neubeginns.

Im Video „Technobattle“ von Hanna Lidén & Klara Lidén ist die Technik Opfer und Waffe zugleich. Marc Bijl zerstört in einer seiner beiden Wandarbeiten systematisch die ausgewogene Form eines schwarzen Quadrats, Chris Bierl bringt das Bildrelief von in Sammlerkreisen hoch gehandelten Seifenstücken durch Waschen zum Verschwinden: Attacken auf die Kunstgeschichte und den traditionellen Bildbegriff, die zugleich Neues entstehen lassen.

Nils Klinger kombiniert eine polizeiliche Karteikarte von 1910 mit einer Petrischale voll Erde und dem malerisch schönen Foto einer Sprengung. Zusammen entfalten die Objekte eine suggestive Beweiskraft - aber was beweisen sie? Sprechen bereits die historischen „Verbrecherfotos“ von einem Verbrechen, das gar nicht stattgefunden hat? An welcher Stelle beginnt die Fiktion?

Ein abgedunkelter zweiter Ausstellungsraum gehört der multimedialen „Weltmaschine“ von Tilman Hatje und Lukas Thiele. Auf spektakuläre Weise macht die Installation Klänge sichtbar, ja geradezu haptisch erfahrbar. Zumindest diese Blackbox dürfen wir betreten.

Loyal Arts Club, Schillerstr. 30, bis 27. Januar, Do - So 14 - 18 Uhr, www.thisisnottheend.de

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