Urs Lüthi und seine Schüler stellen in Galerie Coucou und im Kasseler Kunstverein aus

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In der Galerie Coucou: Künstler Urs Lüthi vor seinem „Selbstporträt als meine Mutter“.

Kassel. Zwanzig Jahre lang war der Schweizer Künstler und documenta-Teilnehmer Urs Lüthi Professor an der Kasseler Kunsthochschule. Nun kann man seine Kunst noch einmal entdecken - und die seiner Schüler.

 „Wenn jemand anfängt, Kunst zu machen, weiß er oft erst nicht warum“, sagt Urs Lüthi. „Ich habe mich wie ein Psychiater gefühlt, wenn es darum ging herauszufinden, worum es jemandem geht.“ Der Schweizer Künstler und documenta-Teilnehmer (1977) war bis vergangenes Jahr zwanzig Jahre lang Professor an der Kasseler Kunsthochschule und hat vielen Studierenden Starthilfe auf ihrem Weg in die Kunst gegeben. „Er hat uns als Person aufgespürt“, nennt das seine ehemalige Schülerin Kathrin Balkenhol, heute im Vorstand des Kunstvereins. Eine Ausstellung der Galerie Coucou und des Kasseler Kunstvereins richtet nun den Blick auf diese besondere Beziehung zwischen Lehrer und Schüler: „Nopression“.

In Milen Krastevs Galerie Coucou sind zwei Arbeiten Lüthis zu sehen, „eine Mini-Retrospektive“, sagt der Künstler. Für den Standort Kunstverein hat Lüthi Arbeiten von 13 (Ex-)Studierenden ausgewählt. Des Weiteren sind auf langen Tischen Kataloge, Bilder und Dokumentationen von 62 Studierenden aufgebaut, in deren Wirken man sich ergänzend vertiefen kann. Er habe bewusst vielfältige Positionen zusammengestellt: „Ich wollte nicht, dass eine Lüthi-Schule sichtbar wird“, sagt der 66-Jährige.

Beim Aufbau der Arbeit „Trademark“ von Urs Lüthi in der Galerie Coucou: Michael Göbel (links) und Milen Krastev.

Lei Xue mogelt mit klassischer chinesischer Porzellanmalerei disneyartige Comicfiguren auf eine Vase. Angela Ender fügt Plastikfetzen und andere Straßenfundstücke zu leicht anarchischen Skulpturen. Flaut Rauch lässt Fruchtgummis auf einer türgroßen Glasscheibe unter einer heißen Lampe zu einem knallbunten Bild zusammenschmelzen. Auf einem taschenbuchgroßen Monitor zeigt Markus Stein einen an ein Computerspiel erinnernden Film, wo Flugzeuge über dem Kasseler Bahnhof im Flug so zusammengeschnitten sind, dass sie wirken wie abprallende Flipperkugeln.

Michaela Meise hat in Keramikplatten Bilder von Müttern eingekratzt - nicht nach Fotos, sondern nach subjektiven Beschreibungen. Hier kommt auch Urs Lüthis Mutter vor. Der er in einem „Selbstporträt als meine Mutter“ ebenfalls eine Arbeit widmet. Auf dem poetisch-melancholischen Foto legt sich die Perlenkette genau so in seine Halsmulde, wie er das bei ihr in Erinnerung habe.

Seine zweite Arbeit kombiniert Selbstporträts in verschiedenen Lebensaltern, die er aus einem Katalog abfotografiert und zu einem Plakat zusammengestellt hat - „rosa, weil es Erinnerungen sind“ - , mit einer fragilen Glasskulptur. Ein Kopf sitzt auf einem Röhrensystem, nur die dünnen Rohrränder stützen das Gebilde. „Mich interessieren diese nicht-gesicherten Zustände“, sagt Lüthi, „der Moment, wo alles kippen kann.“

Bis 13. Juli, Galerie Coucou, Werner-Hilpert-Straße 8, Kunstverein im Fridericianum. Mi - So 11 - 18 Uhr, Do bis 20 Uhr, Eintritt: 4 Euro.

Von Bettina Fraschke

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