Die Luftballons fliegen noch: Nena und Band im Wolfhager Kulturzelt

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Starke Bühnenpräsenz: Nena in Wolfhagen.

Wolfhagen. Sie sieht fantastisch aus, gar kein Frage. Auch ihre Stimme klingt perfekt, da gibt es nichts zu meckern. Was am Samstagabend beim Nena-Konzert im ausverkauften Wolfhager Kulturzelt jedoch ein klein wenig fehlt, ist dieser ganz besondere Zauber, den das einstige „Fräuleinwunder“ üblicherweise mit ihrer mädchenhaften Leichtigkeit versprüht, wenn sie „Wunder geschehen“ lässt, ihre Anhänger mitnimmt auf ihr „Weißes Schiff“, das gemeinsam mit den „99 Luftballons“ gen Horizont zieht.

Den Ballons ist auch beinahe 35 Jahre nach ihrem ersten Flug noch längst nicht die Luft ausgegangen, ebenso wenig wie ihrer Erschafferin. Doch im Wolfhager Stadtpark haben sie irgendwie ein wenig an Farbe verloren, obwohl sie mit Gitarren- und Synthiesounds ordentlich aufpoliert wurden.

Hits von einst

Die magischen Gänsehautmomente, für die Konzerte der 54-Jährigen bekannt sind, gibt es noch, allerdings sehr wohl dosiert. Dann nämlich, wenn die Hits von einst aus den Boxen schallen und über 2000 Fans aus voller Kehlen mitsingen. „Leuchtturm“, „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“, „Fragezeichen“. Dann kommt Nenas Strahlen auch in den hinteren Reihen des Palastzeltes an, ist bis in die letzte Pore spürbar. Aber auch nur dann, Titel jüngeren Datums vermögen dies zum Höhepunkt des 20. Kulturzeltfestivals diesmal leider nicht zu schaffen.

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Dabei sind sie keineswegs schlechter, ganz im Gegenteil. „Liebe ist“ geht mit viel Gefühl tief ins Herz, „Old School“ mit wummernden Bässen ohne Umwege in die Beine und „Das ist nicht alles“ vom 2012er Album „Du bist gut“ mit voller Wucht ins Ohr - nur wirklich zünden wollen sie nicht. „Die Welt wird anders sein“ singt die Pop-Ikone da, und genau das mag es auch sein, was es ihr heute ein wenig schwer macht. Die Welt ist einfach nicht mehr die von einst, als sich Anfang der Achtziger eine junge Sängerin aus Hagen anschickte, eine ganze Generation musikalisch zu prägen, und sogar in Amerika einen Top10-Hit landete.

Der Zauber fehlt

Vielleicht aber ist es auch einfach nur eine Frage der Erwartungen, die an eine Künstlerin gestellt werden, die man bereits zigfach live erlebt hat, die einen von Kindesbeinen an begleitet, zu deren Musik man seine ersten Partys gefeiert hat. Denn es ist keinesfalls eine schlechte Show, die Nena hier abliefert, durchweg solide reist sie mit Band und Fans durch mehr als drei Jahrzehnte Musikgeschichte. Nur dieser ganz besondere Zauber, der bleibt irgendwie auf der Strecke.

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