Adelheid Müthers Tourneetheater-Inszenierung des Ohnsorg-Stücks „Der arme Ritter“ in Baunatal

Wie lustig ist das Altwerden?

„My Fair Lady“ auf Norddeutsch: Szene aus „Der arme Ritter“ mit (von links) Edda Pastor, Tanja Kleine, Wolfgang Sommer, Peter Wohlert und Wilfried Dziallas in der Titelrolle. Foto: Schoelzchen

BAUNATAL. Das Hamburger Ohnsorg-Theater ist eine Institution, die sich mit norddeutschem Humor und zu Herzen gehenden Komödien bundesweit einen Namen gemacht hat. Und so war es vermutlich der Zusatz „Ohnsorg“, der ein so zahlreiches Publikum in die Baunataler Stadthalle gelockt hatte, um Stefan Vögels Komödie „Der arme Ritter“ zu sehen.

So mancher mag sich aber auch über die Wiederbegegnung mit der früheren Kasseler Schauspielchefin Adelheid Müther gefreut haben, die als freie Regisseurin dieses Stück inszeniert hat.

Stefan Vögel, der diese leicht melancholische Komödie um den vereinsamten früheren Schlossbesitzer und Internatsdirektor Ludwig Ritter von Schwitters (Wilfried Dziallas) schrieb stammt zwar aus Vorarlberg. Der norddeutsche Humor, das Kantige, Eigensinnige und doch Liebenswerte dieses Menschenschlags kommen dennoch in Stück und Inszenierung ausgezeichnet zum Ausdruck.

Thema der Komödie ist Ritter von Schwitters „Rückführung“ ins Leben durch die junge alleinerziehende Mutter und Rapperin Paula Dittmer (Birte Kretschmer). Müther setzt ganz auf die Auseinandersetzung dieser beiden so unterschiedlichen Charaktere, aus deren Zusammenprall sich heftige Komik ergibt, aber auch eine vorsichtige Annäherung.

Im Grunde ist es eine Pygmalion-Geschichte, auch wenn sie anders ausgeht als in der berühmten „My FairLady“-Fassung nach dem Stück von Bernard Shaw.

Der „arme Ritter“ unterrichtet das sozial benachteiligte Mädchen und führt es zu mathematischen Sonderleistungen, sie bringt mit ihrer direkten Herzlichkeit und Unverblümtheit sein schon erstarrtes Leben wieder in Schwung, aber sein Herz entdeckt er für eine andere.

Die Mitbewohnerin im Altersheim, in dem das Ganze spielt, Elisabeth (Edda Pastor), wird ihm in Zukunft die verlorene Familie ersetzen. Die anderen Figuren sind Stichwortgeber, wie die Zimmernachbarn Franz (Wolfgang Sommer) und Norbert (Peter Wohlert) sowie Schwester Isolde (Meike Meiners). Langer Beifall für einen erheiternden und anrührenden Theaterabend.

Von Claudia v. Dehn

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