Das Comedy-Duo Badesalz babbelte in Vellmar um die Wette

Lustige Frikadellen

Ihre Figuren haben einen Spleen: Gerd Knebel (links) und Henni Nachtsheim in Vellmar. Foto: Malmus

Mit Badesalz wäre das Energieproblem bald gelöst und der Ausstieg aus der Atomkraft nur noch eine Frage von Monaten. Beim Auftritt am Sonntag in der Mehrzweckhalle Vellmar stellte das hessische Comedy-Duo ein Babbelkraftwerk vor, das Geschwätz in Strom verwandelt. Mit der Erfindung bekäme selbst das dümmste Politiker-Geschwafel wieder einen Sinn.

Die größten Energielieferanten wären allerdings Henni Nachtsheim und Gerd Knebel selbst. In ihrem Programm „Bindannda“ babbeln sie eineinhalb Stunden lang ununterbrochen. Man muss sich das vorstellen wie die Werbung mit dem Duracel-Hasen: Während andere Komiker längst müde geworden wären oder zumindest einmal kurz Luft geholt hätten, labern die Südhessen einem schon die nächste lustige Frikadelle ans Ohr. Dafür werden sie von den fast 800 begeisterten Zuschauern geliebt, die zum großen Teil schon im Mai zum Festival-Gastspiel beim Sommer im Park gekommen wären - damals mussten Badesalz jedoch kurzfristig absagen, weil ein Infekt Nachtsheim die letzte Energie geraubt hatte.

Im 28. Jahr ihres Bestehens haben die Miterfinder der Comedy in Deutschland ihre Kunstform längst um das Theater erweitert. Badesalz wechseln während eines Abends nicht mehr 30-mal die Verkleidung, sondern widmen sich ganz zwei Charakteren: Nachtsheim spielt den Dosenfabrikanten Peter Lembach, der von seiner Frau einen Flug mit dem Paraglider geschenkt bekommt, mitten in der Funkloch-Pampa abstürzt und dort auf einen Aussteiger (Knebel) trifft.

Dieser Noah hat „dermaßen einen am Sträußchen“, wie Lembach sagt, und will ein Kulturpaket für Außerirdische schnüren, damit die nicht denken, die Menschheit wäre durch Vorabendserien, die die „Schweinegrippe des TV“ sind, komplett verblödet. Ehrlich gesagt ist die Rahmenhandlung ziemlich banane, weil „Bindannda“ letztlich eine Nummernrevue bleibt mit feiner Musik, derben Reimen wie „Hesse“ und „Fresse“ sowie Seitenhieben auf die Kirche.

Nachtsheims und Knebels Kunst lebt von ihrem sicheren Gespür für spleenige Typen, ganz gefahrlos ist ihr Humor aber nicht. Einmal erzählt Nachtsheim den Uralt-Kalauer von dem Jogger, der im Wald von einem Jäger erschossen wird, weil auf dem Trainingsanzug „Reebok“ stand. Diese abgestandenen Witze strahlen noch länger als Atommüll und gehören sofort ins Endlager.

Von Matthias Lohr

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