Es geht nicht nur ums Schwulsein

Caricatura zeigt Comics von Ralf König

Sieht so die Krone der Schöpfung aus? Bild von Ralf König aus seinem Buch „Prototyp“. Foto: Caricatura

Die Caricatura würdigt mit der Ausstellung „Rotznasen. Vom Prototyp zum Astronauten“ den Zeichner Ralf König. Berühmt wurde der Kölner mit Comic-Romanen über schwule Lebenswelten wie „Der bewegte Mann“.

In Kassel sind vor allem jüngere Arbeiten zu sehen, in denen sich König mit Religionen auseinandersetzt

Eine Pumpe aus dem Auto hat Ralf König bei seinem jüngsten Comic-Roman aus der Patsche geholfen. Für sein Buch „Barry Hoden – Im Weltall hört dich keiner grunzen“ wollte der Kölner Zeichner ein Raumschiff abbilden. Weil ihm aber keine gute Illustration einfiel, nahm er sich eine Einspritzpumpe eines Autos zum Vorbild.

Anhand von Skizzen zeigt die Kasseler Caricatura in ihrer neuen Ausstellung „Rotznasen – Vom Prototyp zum Astronauten“, wie König aus der Pumpe ein Raumschiff gemacht hat. Zudem sieht man eine Melone, die zum Planeten wird.

Das ist schon deshalb ungewöhnlich, weil König bislang eher als Spezialist für das primäre männliche Geschlechtsmerkmal bekannt war. Banane statt Melone könnte man sagen. Mit einer Gesamtauflage von fast sieben Millionen Büchern gilt der 54-Jährige als „populärster Autor von explizit schwulen Geschichten“.

Schon zu Zeiten seines Coming-outs 1979 veröffentlichte der aus dem westfälischen Werl stammende König Comic-Strips. Das später von Sönke Wortmann mit Til Schweiger verfilmte Buch „Der bewegte Mann“ war 1987 sein Durchbruch. Die Kasseler Ausstellung ist bereits die dritte große Schau innerhalb eines Jahres, die sein Werk würdigt.

Das ist gerechtfertigt, weil König die bundesrepublikanische Gesellschaft mit homosexuellen Lebenswelten vertraut gemacht hat wie vielleicht kein anderer. Zudem legt die Caricatura den Fokus auf Königs zweites großes Thema: die Religionskritik. „Über dicke Pimmel“, sagt der Zeichner, „regt sich keiner mehr auf.“ Über Gott schon.

In Kassel sind vor allem Ausschnitte aus der Trilogie „Prototyp“, „Archetyp“ und „Antityp“ zu sehen, in der König die Geschichten der Schöpfung, der Sintflut und des Apostels Paulus neu erzählt, „dem wir diese verkrampfte Sexualmoral vor allem zu verdanken haben“, wie der Autor sagt.

In seinen epischen Comic-Romanen erzählt König Plots, auf die viele Drehbuchschreiber stolz wären. Saskia Wagner von der Caricatura nennt den Künstler zudem den „König der Nasen“. Die riesigen Kolben im Gesicht sind ein Markenzeichen seiner Bilder. Ein anderes ist die krakelige Schrift in den Sprechblasen. Einen König-Comic zu lesen, ist manchmal so, als würde man ein Lied des Nuschlers Herbert Grönemeyer hören.

Das macht es nicht leichter, Comic-Passagen an Ausstellungswänden zu lesen – auch wenn die so ausgewählt wurden, dass die abgebildeten Geschichten möglichst in sich abgeschlossen sind. Zu empfehlen sind darum vor allem die Lesungen, die König an drei Mittwochabenden (25. März, 15. April und 6. Mai, jeweils 19 Uhr) in der Caricatura bestreiten wird.

„Rotznasen. Vom Prototyp zum Astronauten.“ Bis zum 17. Mai in der Caricatura im Kasseler Kulturbahnhof, Rainer-Dierichs-Platz 1. Geöffnet: Di-Fr 14-20 Uhr, Sa, So, Feiertage 12-20 Uhr. www.caricatura.de

In der Caricatura-Bar ist die ebenfalls neue Kabinettausstellung „Tot, aber lustig!“ mit Cartoons von Michael Holtschulte zu sehen.

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