Das Lustige im Traurigen: Das tolle Buch des Melsungers Marvin Ruppert

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Dreifacher hessischer Meister im Poetry Slam: Der aus Melsungen stammende und in Marburg lebende Marvin Ruppert (28).

Melsungen / Marburg. Selbst die schönsten Momente sind für Marvin Ruppert traurig. Im Frühling 2007 hatte sich der aus Melsungen stammende Autor in seinem Studienort Marburg in Maria verliebt.

Die lud den vom Heuschnupfen geplagten Mann bei strahlendem Sonnenschein zum Picknick an die Lahn ein, wie Ruppert in seinem ersten Kurzgeschichtenband schreibt.

„Picknick an der Lahn?“, denkt sich der Ich-Erzähler. „Da könnte ich auch gleich nackt auf einem Pferd durch ein Getreidefeld reiten und Pusteblumen schniefen und es würde mir besser gehen.“

Marvin Ruppert hat tatsächlich Heuschnupfen. Wäre sein Leben auch sonst so wie das seines Ich-Erzählers, wäre es unglaublich komisch. Man hat schon lange nicht mehr so laut gelacht bei der Lektüre eines Buches wie nun bei „Ich mag Regen. Traurige Liebesgeschichten aus meinem Leben.“

Bei Ruppert scheitern Beziehungen ständig am Heuschnupfen oder an herrlich absurden Dialogen darüber, ob man abends Kaffee trinken darf. Wenn er eine Ex-Freundin wiedertrifft, glaubt er, die Verliebtheit zu spüren, es ist dann aber doch nur eine Blinddarmentzündung.

Köstlich beschreibt der 28-Jährige den Alltag in der Universitätsstadt oder Besuche auf einem Weihnachtsmarkt: „Süßsäuerlicher Glühweingeruch penetriert die kalte Dezemberluft hart und ejakuliert Dummheit in sie hinein.“ Glaubt man den Rezensionen von Leserinnen im Netz, haben sich die Frauen bei der Lektüre unsterblich in den Autor verliebt.

Marvin Ruppert: Ich mag Regen. Traurige Liebesgeschichten aus meinem Leben. Satyr-Verlag, 128 S., 8,90 Euro.

Wertung: fünf von fünf Sternen

www.marvinruppert.de

Es ist nicht das erste Lob, das Ruppert für seine Texte bekommt. Der Psychologe, der in Marburg als Lektor arbeitet, hat sie eigentlich für die Bühne geschrieben. Er ist dreifacher hessischer Meister im Poetry Slam. Seine Geschichten sind nicht nur eine Aneinanderreihung von Gags. Ruppert findet das Lustige im Traurigen. Manchmal möchte man vor lauter Melancholie weinen.

Das alles traut man einem ehemaligen Metal-Musiker nicht zu, der während seiner Oberstufenzeit an der Melsunger Geschwister-Scholl-Schule in einer Band namens Brainfuck spielte. Heute organisiert Ruppert das Marburger „Late-Night-Lesen“ und denkt sich neue Wörter aus: „Ruppern“ etwa bedeutet an der Lahn sitzen und stricken, was der Schriftsteller trotz Heuschnupfen gern macht. Es gibt einige Gemeinsamkeiten von Buch und Wirklichkeit. Anders als sein Ich-Erzähler ist Ruppert mittlerweile jedoch glücklich verliebt - seine Freundin ist ebenfalls Slammerin.

Von Matthias Lohr

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