Interview: Die Stars Cher und Christina Aguilera über ihren Film „Burlesque“

Lustvoll und selbstbewusst

Der Film „Burlesque“ erzählt von den ersten Karriereschritten einer jungen Tänzerin und Sängerin. Können Sie, Cher, sich noch an Ihre ersten Tage im Showgeschäft erinnern?

Cher: Oh ja. Ich war gerade 16. Ich habe diese Welt mit staunenden Augen erlebt und war ziemlich naiv, glaube ich. Ich muss aber sagen, dass ich heute noch genauso begeistert bin wie früher. Ich war auch aufgeregt, als wir mit diesem Film hier angefangen haben. Vorher allerdings nicht, ich habe den Film immer wieder abgelehnt.

Warum?

Cher: Ich konnte die Rolle einfach nicht leiden. Sie war ein Klischee, und es ging immer nur darum, dass sie diesen Club verliert. Das war mir zu platt. Dann haben wir das Drehbuch umgeschrieben und sie wurde lebendiger und interessanter.

Und sie wurde Ihnen ähnlich?

Cher: Total. Sie ist genauso wie ich. Besser gesagt, sie ist genauso wie ein bestimmter Teil von mir. Ich kenne diese Show-Welt ja sehr gut. Wenn ich auf meinen Musiktouren um die Welt gereist bin, hatte ich auch Hundert Leute um mich und war so etwas wie eine Varieté-Chefin. Da ist man wie ein Dompteur. Man muss alles wissen und sich um alles kümmern.

In „Burlesque“ sind Sie auch das große Vorbild für Christina Aguilera. Hatten Sie auch solche Wegbereiter?

Cher: Sonny war natürlich auch mein Mentor. Ich hatte aber auch später immer wieder Menschen, die mir zur Seite standen.

Bei Ihren Auftritten können Sie noch mit dem Sex-Appeal deutlich jüngerer Frauen mithalten. Wie wichtig sind Ihnen Schönheit und Sex-Appeal?

Cher: Entweder man ist sexy, oder man ist es eben nicht. Man kann es nicht zu sehr beeinflussen, denke ich. Es muss natürlich kommen, sonst wirkt es verkrampft. Ich fühle mich einfach wohl in meiner Haut.

Frau Aguilera, was hat Sie an „Burlesque“ gereizt?

Christina Aguilera: Die Idee und die Tradition des Burlesque-Theaters. Die Schönheit von Frauen wird auf eine kraftvolle Art und Weise ausgestellt. Es ist lustvoll, es hat Witz, es ist verspielt, und es ist selbstbewusst. Das ist genau mein Ding.

Sie spielen in „Burlesque“ eine junge, burschikose Sängerin und Tänzerin, die eher in ihre Karriere hineinstolpert. Gegenüber Ihnen würde sie wie ein „Landei“ wirken.

Aguilera: Ja, das stimmt. (lacht) Ich bin ein Vollblut-Mädchen. Ich liebe das Make-up, den Glamour, den Glanz, die Kostüme – ich liebe es, wenn all das auf der Bühne zusammenkommt. Ich mag auch den großen Auftritt. In der Hinsicht war es schon schwer, mich in dieses Mädchen hineinzuversetzen, das eben keine platinblonde Perücke trägt, um noch mehr aufzufallen, und das nicht weiß, wie es sich richtig schminken muss. Ich bin natürlich in einer ganz anderen Position, und das war eine Zeit lang schwer, aber dann habe ich mich an meine eigenen Anfänge erinnert – als ich selbst verletzlicher war, als ich jünger und unbedarfter war.

Haben Sie auch auf eigene Erfahrungen zurückgegriffen für Ihre erste Filmrolle?

Aguilera: Ich bin ja keine Schauspielerin. Mir blieb gar nichts anderes übrig. Das Mädchen, das ich spiele, hatte es nicht einfach in seiner Kindheit, und das war bei mir auch so. Meine Kindheit war alles andere als einfach, aber es war eben auch eine Zeit, die mich zum Kämpfer gemacht hat. Ich habe als kleines Kind eine sehr chaotische und schmerzhafte Zeit durchgemacht. Ich habe miterleben müssen, wie hilflos meine Mutter meinem Vater ausgeliefert war. Das hat mich sehr verunsichert, aber dadurch habe ich wahrscheinlich auch den Willen entwickelt, so etwas niemals für mich zuzulassen. Ich habe mir gesagt, dass ich es zu etwas bringen will, und dass ich keine Gelegenheit auslassen werde, die sich mir bietet.

War die Arbeit mit Cher entspannt oder gab es Diven-Krieg am Set?

Aguilera: Keine Spur. Die Drehtage mit ihr waren meine Lieblingstage. Weder sie noch ich haben es nötig, uns zu bekriegen, denke ich. Am meisten hat mir die Szene gefallen, in der wir nebeneinandersitzen und sie mir wie eine Mutter beibringt, mich richtig zu schminken. Das ist auf der Leinwand ein wichtiger Moment, und das war auch bei den Dreharbeiten ein sehr herzlicher Moment zwischen uns.

Im Vergleich zu Cher stehen Sie noch am Anfang Ihrer Karriere. Können Sie sich vorstellen, auch noch mit 60 auf der Bühne zu stehen?

Aguilera: Ich hoffe, dass ich meinen letzten Atemzug mit einem Song auf meinen Lippen machen werde. Musik und Show werden immer ein Teil meines Lebens sein.

Von Alexander Soyez

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