Die aus Sri Lanka stammende Electro-Rap-Künstlerin M.I.A. veröffentlicht heute ihr drittes Album

„Mache Musik, die unbequem ist“

Interconti Hotel, Hamburg, Interviewtag zum dritten Album „Maya“. Sängerin M.I.A. macht Mittag. Es gibt Gulasch. Und zwar gleich einen großen Topf davon, den die Londonerin mit Wohnsitz L.A. hungrig per Suppenlöffel bearbeitet. 2005 wurde sie mit dem nach ihrem tamilischen Rebellenvater „Arular“ benannten Album für ihren Electrodancerap gefeiert. Heute erscheint ihr drittes Album.

Maya, vor wenigen Tagen ist der US-Soldat verhaftet worden, der ein geheimes Video von einer Attacke seiner Armee auf Zivilisten im Irak ins Netz gestellt hat. Er wurde von einem Hacker verraten ...

Maya: ... unfassbar. Er ist im Gefängnis, weil er der Welt gezeigt hat, wie die US-Regierung unschuldige Menschen massakriert. Ich hoffe, dass noch mehr solcher Clips an die Öffentlichkeit gelangen.

Basiert Ihr „Born free“-Video, das ebenfalls ein Gemetzel von amerikanischen Soldaten an der Zivielbevölkerung zeigt, auf dieser Geschichte?

Maya: Indirekt. Der Wirbel um mein Video verdeutlicht, was für Lügner die Amerikaner sind. Uns soll nicht erlaubt werden, Fragen zu stellen.

Was Ihre Spezialität ist.

Maya: Kann sein. Mein Video ist ein Diskussionsbeitrag zu all der Widerwärtigkeit der US-amerikanischen Kriegsführung. Möglich, dass mein Video mehr Aufsehen und mehr Presse generiert. Aber dafür soll Kunst ja auch gut sein.

Ist das eine Ihrer Missionen, Krieg, Terror und Politik zu Popkultur zu machen?

Maya: Ja. Ich will dies den Menschen näher bringen.

Stimmt es, dass Sie übers Aufhören nachgedacht haben?

Maya: Manchmal ist es ärgerlich, wenn du der einzige tamilische Mensch bist, der mit seiner Kunst in der Öffentlichkeit steht. Ich weiß, dass die Regierung von Sri Lanka mich gerne weg haben möchte. Und das spornt mich an.

Was ist die Entstehungsgeschichte Ihres Albums?

Maya: Ich hatte Angst, ich könnte oberflächlich werden. Dazu kam, dass ich mich von der US-Regierung ausspioniert fühlte. Davon handelt „The Message“. Ich will frei sein.

Fördert es Ihre Kreativität, wenn das FBI Sie beobachtet oder nervt das nur?

Maya: Beides. Mein Verlobter und mein Sohn sind Amerikaner. Meine britische Verwandtschaft darf nicht einreisen. Ich selbst habe Probleme bei der Ein- und Ausreise, mein aktuelles Visum gilt nur bis Ende des Jahres.

Sie könnten es sich einfacher machen.

Maya: Absolut. Ich könnte einfach ein schönes Kleid anziehen, den Popstar spielen und über die Roten Teppiche laufen. Aber das wäre zugleich mein Ende als Künstlerin.

Ist Ihre Arbeit Therapie?

Maya: Yeah. Kreativität ist immer eine Form der Auseinandersetzung mit seinen Macken und Dämonen.

Welche denn bei Ihnen?

Maya: Der relative Erfolg. Mein Song „Paper Planes“ war 2008 ein Mainstreamhit, was dazu führen kann, dass mehr Leute Erwartungen daran haben, was ich mache. Ich will nicht, dass der Preis für Erfolg der ist, dass man sein Schaffen verwässert. Weil es heißt, dass die Massen doof sind.

Also wird es keine Kompromisse geben, um doppelt so viele Platten zu verkaufen?

Maya: Nein. Mir sind die 300 000 Leute wichtiger, die meine Musik pur bekommen können als die vielleicht zwei Millionen, die ein weichgespültes Produkt hören.

Sind Sie auf „Maya“ nicht dennoch in der Mainstreamwelt angekommen?

Maya: Falls Mainstream heißt „seelenlose Arbeit von Robotern, die für nichts steht“, dann will ich dem Mainstream nicht nahe kommen. Ich will Musik machen, die unbequem ist.

Ihre kommende Single „XXXO“ klingt nach Hit.

Maya: Okay, aber sie hört sich an wie ein cooler Hit und nicht wie ein Scheißhit.

M.I.A.s Album „Maya“ (Beggars Group) erscheint heute.

Von Steffen Rüth

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