„Macht euch mal locker“: Komiker Bülent Ceylan im Interview

Bülent Ceylan.

Bülent Ceylan ist mit Besucherzahlen von bis zu 10.000 Zuschauern längst ein Mann für die großen Hallen und Arenen. Am 6. August tritt der Comedian aus Mannheim in der Waldbühne Northeim auf, was ein doppeltes Spektakel verspricht.

Sowohl der Künstler als auch die idyllisch gelegene Anlage in Südniedersachsen sind eine Attraktion. Wir sprachen mit dem 35-Jährigen.

Herzlichen Glückwunsch, Herr Ceylan, Sie treten im August beim Heavy-Metal-Festival in Wacken als Comedian auf. Damit geht für Sie als Hardrock-Fan ein Traum in Erfüllung.

Bülent Ceylan: Das stimmt. Ich werde der erste Komiker dort sein und vor 100 000 Leuten spielen. Vielleicht trete ich sogar vor Ozzy Osbourne auf. Das wäre besonders geil.

Sie haben einst in Schülerbands harten Rock gespielt und als 19-Jähriger bei Viva ein Praktikum in der Redaktion von „Metalla“ gemacht. Ist Comedy für Sie auch Rock’n’Roll?

Ceylan: Ein bisschen schon. Ich hätte nie gedacht, dass man auf der Bühne so ein Feeling bekommt. Als ich vor 500 Leuten gespielt habe, war das auch geil. Aber es ist schon ein Unterschied, ob Tausende oder nur 20 Leute jubeln. Du spürst eine ganz andere Energie. Ich will übrigens nicht angeben, aber der eine oder andere Schlüpfer fliegt schon auf die Bühne.

Klingt sehr nach Sex and Drugs and Rock’n’Roll. Kommen nach der Vorstellung die Groupies reihenweise aufs Hotelzimmer?

Ceylan: Nein, ich will eine Show für die Zuschauer machen und keine Frauen abschleppen. Das ist doch eh nur Stress (lacht). Aber es ist tatsächlich so, dass 70 Prozent meiner Facebook-Kontakte Frauen sind. Es ist schon schön, von den Frauen geliebt zu werden. Was die Drogen angeht, da bin ich eher der Kamillenteerocker. Die Sauferei ist nicht mein Ding.

Als Jugendlicher haben Sie auf Alkohol verzichtet, um Außenseiter zu sein. Wann haben Sie gemerkt, dass Sie ein Spaßvogel sind?

Ceylan: Das war schon früh. Mit neun Jahren habe ich meine Mutter zum Lachen gebracht. Und auf einem Schulfest in der 11. Klasse habe ich Boris Becker und Helmut Kohl imitiert. Das war mein erster Auftritt als Komiker.

Es hat dann lang gedauert, bis Sie einer der erfolgreichsten deutschen Comedians wurden. Lag das auch daran, dass die Szene mit Kaya Yanar schon einen Türken hatte und der Platz vergeben war?

Ceylan: Das kann man so sagen. Kaya ist schneller als ich ins Fernsehen gerutscht. Für die Medien war es dann immer so: „Wir haben doch schon unseren Türken.“ Die Leute dachten, ich würde das gleiche machen wie er, was ja nicht stimmt. Meine Figur Hasan wollte ich zwischenzeitlich sogar kappen, weil es schon den Hakan von Kaya gab, der auch ein Macho-Türke ist. Die Zuschauer haben mir dann geschrieben: „Bitte lass den doch.“ Mittlerweile bin ich der Rock’n’Roller unter den Comedians und nicht mehr der Ethno-Komiker. Außerdem spreche ich Mannheimer Dialekt. Kurpfälzisch zu reden, ist ungewohnter als Türke zu sein.

Ihr Hasan ist ein türkischer Klischee-Macho, dem man lieber nicht im Dunkeln begegnen will. Außerdem spielen Sie einen ausländerfeindlichen Hausmeister. Welche Reaktionen bekommen Sie auf solche Figuren?

Ceylan: Es gibt viele, die beweisen, dass die Menschen Spaß verstehen. Auch viele Türken können über sich lachen.

Einige Deutschtürken sollen sich allerdings beschwert haben, dass Sie Witze über Ihren Vater machen.

Ceylan: Für die ist der Vater eine Ehrensache. Sie fanden, dass ich ihm gegenüber nicht genügend Respekt zeige. Da habe ich geantwortet: „Macht euch mal locker. Mein Vater kriegt für jeden Gag über ihn zehn Prozent.“ Im Ernst: Mein Vater findet die Späße richtig geil und fragt sich, wie man sich über so etwas aufregen kann.

Bülent Ceylan: 6. August, Waldbühne Northeim. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Von Matthias Lohr

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