Sie macht Frauen stark: US-Sängerin Beyoncé meldet sich zurück

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175 000 Fans konnten von diesem Anblick nicht genug kriegen: Beyoncé (29) am vergangenen Wochenende beim Glastonbury-Festival in England.

Dass Beyoncé Knowles mit der sperrigen Nummer „Run The World (Girls)“ aus der dreijährigen Pause zurückkehrt, hat viele verwirrt. Der Song mit dem tribalen Getrommel ist keines der Sommer-Gute-Laune-Liedchen.

Dazu ist der Beat, der auf einem Sample des Indie-Club-Hits „Pon de Floor“ von Major Lazer beruht, zu aufreibend, die gesamte Nummer zu wild.

Inhaltlich reiht sich das Lied und das dazugehörige Video mit 200 Amazonen in der Mojawe-Wüste in die Tradition der Knowles’schen Frauen-stark-mach-Hymnen ein wie „Independant Women“ aus ihrer Zeit bei Destiny’s Child. Falls die 29-Jährige eine Botschaft hat, dann die: „Mädels, lasst euch von den Typen keinen Scheiß erzählen. Ihr packt das.“

Das neue Album hat dann aber auf erstaunliche Weise nichts mehr zu tun mit der schnellen Single. „4“ ist eine langsame, getragene, in all seiner Reife und Erwachsenenmusikmäßigkeit auch ein bisschen zu brave Platte geworden. Es gibt kaum schnelle Songs. Mit „Party“ hat sie eine Nummer dabei, die sehr traditionell soulig klingt, als Duettpartner fungiert hier Andre 3000 von Outkast. „1+1“ eröffnet die Platte mit einer fast schon kindlichen Melodie. Textlich geht es in dem hübschen Song darum, dass Beyoncé bitteschön jetzt gleich und sofort mit ihrem Mann schlafen möchte. Dazu kommen viele Balladen.

Die Karriere der Beyoncé Giselle Knowles ist geprägt von Durchsetzungsvermögen, Talent und einer leicht streberhaft scheinenden Vollkommenheit. Sie lebt, was sie predigt. Von klein auf ordnete sie alles ihrem Ziel unter, eine berühmte Sängerin zu werden. Anfangs stellte sich der Erfolg der von Beyoncés Vater Mathew Knowles gemanagten Destiny’s Child schleppend ein. Später wurde sie mit Kelly Rowland und Michelle Williams zur größten Girlgruppe der Welt.

Vom Vater hat sich die Sängerin gerade getrennt - sie managt ihre Geschicke nun selbst. Rat holen kann sie sich bei Gatte Jay-Z, dem vielleicht talentiertesten Rapper der Welt. Seit Jahren bilden Beyoncé und der frühere Kleinkriminelle eines der reichsten, glamourösesten und doch skandalfreiesten Powerpaare des Musikgeschäfts.

Wenn Beyoncé zuweilen damit kokettiert, in die Politik gehen zu wollen, sollte man das besser ernst nehmen. Zusammen mit Michelle Obama posierte sie unlängst für eine Kampagne, die Kindern die Fettleibigkeit austreiben soll. „Macht bedeutet für mich Glück“, sagt sie.

Die Macht im Pop-Geschäft hat sie während ihrer Plattenpause an Aufsteigerinnen wie Katy Perry und Lady Gaga verloren. Doch erweckt „4“ nun auf angenehme Weise nicht den Eindruck, als wolle sie noch gaga-mäßiger musizieren als Gaga selbst - ein Ansinnen, mit dem Christina Aguilera im vergangenen Jahr ihr Waterloo erleben musste. Nein, Beyoncé Knowles bleibt dem Soul und dem R’n’B treu. Sie spielt mit dem Genre. Sie schmust mit ihrer Musik, und manchmal schläft sie sogar mit ihr. Die Klamotten bleiben dabei natürlich am Leib.

Beyoncé: „4“ (Sony BMG). Wertung: vier von fünf Sternen

Von Steffen Rüth

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