Eröffnungskonzert der Arolser Barock-Festspiele mit Szenen von Vivaldi und Scarlatti

Die Macht des Gesangs

Das Ensemble „La Risonanza“ in der Fürstlichen Reitbahn: Carlo Lazzaroni und Ana Liz Ojeda (Violinen), Caterina Dell’Agnello (Violoncello), Gabriele Palomba (Theorbe) und Fabio Bonizzoni (Cembalo). Foto: Jedicke

Bad Arolsen. Was die Originalität der Programme und die Qualität der Konzerte angeht, müssen sich die kleinen Arolser Barock-Festspiele vor den ungleich größeren Göttinger Händel-Festspielen nicht verstecken. Der künstlerischen Leiterin Dorothee Oberlinger gelingt es stets aufs Neue, hervorragende Ensembles und Solisten in die waldeckische Residenzstadt zu locken.

Beim Eröffnungskonzert am Mittwoch in der ausverkauften Fürstlichen Reitbahn war es das italienische Ensemble „La Risonanza“, das mit Musik von Antonio Vivaldi (1678-1741) und Allesandro Scarlatti (1660-1725) glänzte.

Kaum jemals tauchen in unseren Konzerten die in Italien im 18. Jahrhundert weit verbreiteten weltlichen Kantaten und „Serenata“ genannten Opernszenen auf. Zu Unrecht, wie „La Risonanza“ und die Sopranistinnen Yetzabel Arías Fernández sowie Marina Bartoli eindrucksvoll vorführten.

Auf engstem Raum werden hier die Ausdrucksmöglichkeiten der barocken Musik ausgelotet. Oft handelt es sich um ländlich-pastorale Szenen wie bei Vivaldis „Lungi da vago volta“. Die starken Affekte des liebeskranken Schäfers spiegeln sich in harmonisch kühnen Rezitativen und virtuosen Arien, wobei Vivaldi deutlich die instrumentale Vituosität (der Solovioline) von den vokalen unterscheidet. Wunderbar plastisch begleitete das Ensemble „La Risonanza“ mit seinem Leiter und Cembalisten Fabio Bonizzoni die stimmstarke Sopranistin Yetzabel Arías Fernández.

Sie steht musterhaft für den modernen Barock-Gesang mit betont köperhafter Stimmgebung fast ohne Vibrato, der sich durch naturhafteren Klang vom klassisch-romantischen Opernideal unterscheidet.

Ungewöhnlich und reizvoll wirkten auch jene Passagen in der die Schlussarie von Vivaldis Kantate „Perchè son molli“, in denen sich die die Sopranstimme (Fernández) in eine polyfones Spiel mit den beiden Geigenstimmen einlässt.

Eher dem barocken Mainstream zugehörig als der sehr individuelle Vivaldi zeigt sich Alessandro Scarlatti in seiner Serenata „Il trionfo dell’Onestà“ - einem Duell zweier Soprane, die die Tücke des Liebesgottes Cupido und die Aufrichtigkeit, „Onestà“, verkörpern. Marina Bartoli gestaltete mit etwas hellerer Stimmfärbung den Part des Cupido mit expressivem Überschwang - und musste doch im Schlussduett Fernández’ „Onesta“ unterliegen, die die Szene mit dem Ruf „Taci!“ (Schweig!) abrupt beendet.

Mit rhythmischem Beifall erklatschte sich das Publikum als Zugabe ein Duett aus Vivaldis Serenata „La Senna Festeggiante“ und eine Wiederholung des Scarlatti-Duetts - bis es endgültig hieß: „Taci!“

Von Werner Fritsch

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