2009 starb Michael Jackson, alte Helden und die 80er-Jahre wurden wieder entdeckt - Ein Rückblick auf das Pop-Jahr

Der Tod machte ihn lebendig

Die Gesichter des Pop-Jahres: (von links) Michael Jackson (hier 1984) starb mit 50 Jahren, US-Sängerin Lady Gaga war nicht nur wegen ihrer Outfits die Aufsteigerin, die Engländerin La Roux ließ den Sound der 80er wieder auferstehen, und Peter Fox räumte mit seinem Album „Stadtaffe“ in Deutschland ab. Fotos: Picture-Alliance / Universal

Die Nachricht des 25. Juni 2009 war selbst für das Internet zu viel. Als sich die Meldung verbreitete, dass Michael Jackson gestorben ist, brachen 30 der wichtigsten US-Nachrichtenseiten zusammen. Der Tod des 50 Jahre alten Sängers war das Ereignis des Pop-Jahres. Es gab jedoch noch andere. Ein Rückblick.

Der König ist tot, es lebe der König - Michael Jackson: Es ist traurig, aber am Ende war Michael Jackson eine Witzfigur. „Was ist der Unterschied zwischen Michael Jackson und einer Plastiktüte?“, fragten Komiker und antworteten: „Das eine ist aus Plastik, weiß und gefährlich für kleine Kinder. Das andere ist eine Plastiktüte.“ So weit war es gekommen mit dem größten Star, den der Pop seit Elvis Presley hervorgebracht hatte. Niemand erwartete mehr etwas Großes von dem Musiker, der mit Alben wie „Thriller“ (1982) Musikgeschichte geschrieben hatte, irgendwann aber nur noch mit Gesichtsoperationen und fragwürdigen Kontakten zu Kindern Schlagzeilen machte.

Dann starb Jackson an Beruhigungsmitteln, und sein Tod bewegte die ganze Welt. Das konnte man an den Tränen sehen, die Menschen in allen Ländern über die Wangen liefen, und an den Verkaufszahlen der Platten ablesen. Vier Wochen nach dem Tod des King of Pop belegten in Deutschland fünf Michael-Jackson-Alben die ersten fünf Plätze. In England standen zu diesem Zeitpunkt 43 seiner Singles in den Charts.

Michael Jackson, dieser große Künstler, aber arme Mensch, musste erst sterben, um in den Herzen wieder lebendig zu werden. Es trifft aber auch das zu, was Jerry Reisman, Jurist des New Yorker Tonstudios „Hit Factory“, sagte: „Er ist tot vielleicht mehr wert als lebendig.“

Der Pop wird immer älter: Die Neuveröffentlichung, über die in diesem Jahr am meisten geredet wurde, ist ein alter Hut. Die angeschlagene Plattenfirma EMI veröffentlichte den Back-Katalog der Beatles, der so etwas ist wie die „Kronjuwelen des Pop“ („Spiegel“). Die 16 CDs und eine DVD von „The Beatles Stereo Box“ kosten fast 200 Euro, waren aber trotzdem ein Verkaufsschlager. In Deutschland stieg das Paket auf Platz drei der Charts ein. So etwas gab es noch nie. Teure Editionen von den Techno-Pionieren Kraftwerk und Neil Young verkauften sich ebenfalls gut. Das zeigt: Wer mit Musik Geld verdienen will, setzt am besten auf Altes. Das Gesicht des Pop ist schon längst nicht mehr das Gesicht der Jugend. Selbst neue Bands wie Ich + Ich und Silbermond setzen auf konservativen Konsens-Pop. Nur ab und zu hat auch ein Unangepasster wie Peter Fox (38) Erfolg. Auf seinem Solo-Album „Stadtaffe“ sang der Kopf der Berliner Reggae-Band Seeed über das Großstadtleben und traf damit den Nerv der Zeit.

Alles Gaga - das nächste Fräuleinwunder: Im Pop ist es wie in den meisten Ehen - das Sagen haben die Frauen. In den vergangenen Jahren bestimmten Soul-Sängerinnen wie Amy Winehouse das Geschehen, nun ist alles Gaga. Stefanie Germanotta alias Lady Gaga lieferte mit ihrem Album „The Fame“ gleich mehrere Ohrwürmer und sorgte zudem mit schrillen Outfits für Aufsehen. Und Beth Ditto von der New Yorker Band Gossip wurde zur Stilikone, weil sie ihre 95 Kilo Gewicht nicht versteckte.

Zurück aus der Gruft - die 80er: Auch beim musikalischen Trend des Jahres hatten die Frauen die Nase vorn. Englische Sängerinnen wie Elly Jackson alias La Roux und Victoria Hesketh alias Little Boots ließen die 80er-Jahre mit Synthesizer-Symphonien und eingängigen Hooklines wieder auferstehen. Und auch einige alte Helden von damals wie Spandau Ballet und a-ha kehrten zurück. Jetzt haben wir von den 60ern bis zu den 80ern jedes wichtige Pop-Jahrzehnt durch. Das ist alles immer wieder schön. Nur wie wollen wir 2021 die Nuller-Jahre wiederbeleben? Sie sind das Jahrzehnt, das nur aus Revivals bestand.

Von Matthias Lohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.