Maciek Rajca: Neue Malerei in der Schwalm

Munter hüpfende Delphine.

Willingshausen. Im Malerdorf Willingshausen (Schwalm-Eder-Kreis) steht das Profil der ältesten europäischen Künstlerkolonie auf der Kippe.

Das Gemeindeparlament hat den 400.000 Euro teuren Ausbau des Gerhardt-von-Reutern-Hauses abgelehnt, das sich die Vereinigung Malerstübchen bisher mit anderen Vereinen teilt.

70 Prozent Förderung aus dem Programm Stadtumbau West gehen verloren. Die umfangreichere Präsentation der hochkarätigen Sammlung und deren wissenschaftliche Erschließung stehen auf dem Spiel. Welches Format Willingshausen als Künstlerdorf hat, wie überzeugend die Traditionslinien der Malerkolonie in die Gegenwart geführt werden, beweist aufs Neue die aktuelle Stipendiatenausstellung in der Kunsthalle des Reutern-Hauses.

Maciek Racja, Absolvent der Kasseler Kunsthochschule, erkundet Möglichkeiten und Grenzen der Malerei: Woher kommen ihre Motive, was vermag ein Gemälde, was andere Medien nicht leisten? Was sehen wir darin, wie konstruieren wir die Welt? Racja experimentiert mit Farben, aber auch Perlen, Kordeln, Schablonen aus dem Baumarkt.

Der 1981 in Waldenburg (Schlesien) geborene, in Fulda aufgewachsene Künstler nennt seine Ausstellung, die nach einem dreimonatigen Atelieraufenthalt entstanden ist, „Vince“, nach seinem Hund. An Vincent van Gogh erinnert ein prächtiger Blumenstrauß, wobei sich dessen Konturen allerdings auf dem schief gehängten Gemälde nur durch den dicken Farbauftrag abzeichnen: Das Bild, Schwarz in Schwarz, hat etwas Düster-Distanzierendes.

Ganz anders als munter hüpfende Delphine (die den Kreislauf ihrer Aquarien, die durch die Bildfläche begrenzt werden, allerdings auch nie werden verlassen können). Oder als das faszinierende Tiefgrün eines großformatigen Bildes, das an einen Wald erinnert. Hier ist Racja plötzlich ganz nah bei seinen Vorgängern, die in den Schwälmer Dörfern Freiluftmalerei betrieben.

„Alleinstellungsmerkmal“, diese furchtbare Floskel, auf Willingshausen trifft sie zu. 2013 wird sich deshalb die Vereinigung europäischer Künstlerkolonien in der Schwalm treffen. Für das geplante Kunst- und Kulturhaus wird derzeit nach Alternativ-Lösungen gesucht. Hoffentlich erhält der Dachverband Euro Art das Signal, dass die Traditionspflege Zukunft hat.

Bis 20.12., Di - So 14 – 17, Sa/So auch 10 - 12 Uhr. www.kuenstlerkolonie.eu,
www.willingshausen.de,
Tel. 06697/1418.

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