Madonna klingt immer jünger: Das neue Album der Queen of Pop

Könnte auch mit 90 noch für Unterwäsche posieren: Madonna (53) macht drei Stunden Sport am Tag, und ihre neuen Songs klingen wie der Soundtrack zum Bauch-Beine-Po-Kurs. Foto:  Universal

Als Gladiatorin verkleidet marschierte Madonna Louise Ciccone Anfang Februar ins Stadion von Indianapolis. Ihren Auftrag, die Football-Fans in der Halbzeit des Super-Bowl-Finales zu unterhalten, erfüllte sie in Form eines spätrömischen Spektakels.

Als Herrscherin und Queen of Pop sieht sich die 53-jährige Madonna am liebsten. Dabei hat Ciccone die Zügel längst nicht mehr so fest in der Hand wie zu ihren größten Zeiten bis 2000. Jüngere Frauen haben sie überholt. Katy Perry platzierte sechs Singles ihres Albums an der Spitze der US-Charts, Rihanna besticht mit ihrer forschen Erotik, und Lady Gaga kratzte nicht nur an Madonnas Thron, sie sitzt längst auf ihm.

All diese Popstars mit ihren schlauen Inszenierungen gäbe es ohne Madonna nicht. Der nach dem Tode Michael Jacksons bekannteste lebende Popstar der Welt - in Michigan geboren, in New York groß rausgekommen - ist spätestens seit seinem Triumphzug mit dem „Like a Virgin“-Album (1984) ein globaler Begriff. Es folgten immer neue Kniffe: Die Religionsphase („Like a Prayer“), die Sexphase („Erotica“), die klassische Phase („Evita“), die elegante Phase („Ray of Light“).

Madonna inszenierte sich als Sadomaso-Lady, küsste Britney Spears, botoxte sich die Falten weg und macht am Tag drei Stunden Sport. Trotzdem hat sie nach 350 Millionen verkauften Tonträgern zuletzt an Strahlkraft verloren. Wirklich in Erinnerung blieb in den vergangenen Jahren - neben der Trennung von Guy Ritchie und dem Adoptionsärger um David (6) und Mercy (5) aus Malawi - nur der auf einem Abba-Sample basierende Hüpfsong „Hung Up“.

Das ist also die Ausgangslage für „MDNA“ mit seinen zwölf (Standardversion) beziehungsweise siebzehn Songs (Deluxeversion). So schlimm wie die plumpe Cheerleader-Single „Give Me All Your Luvin’“ ist es dann doch nicht geworden. So richtig toll aber auch nicht.

Null Inhalt, aber tanzbar

Je älter Madonna wird, desto jugendlicher klingt ihre Musik. Inhaltlich hatte sie nie viel mitzuteilen, doch ein Song wie „Girl Gone Wild“ treibt die Leere auf die Spitze. Viel mehr als „Hey, hey, I just want to have some fun“ kommt da nicht. Dafür ist die Musik, die von dem Franzosen Martin Solveig und dem Briten William Orbit produziert wurde, sehr tanzbar. Bewegen kann man sich zu „MDNA“ ganz vorzüglich. Das gefällige „Turn up the Radio“ ist wie gemacht für Bauch-Beine-Po-Kurse, das poppig-sommerliche, mit Tochter Lourdes (15) im Hintergrund singende, „Superstar“ ist sympathisch retro, und „Some Girls“ geht temporeich in Richtung Techno.

Unterm Stich ist „MDNA“ ein weder übles noch begeisterndes Dancepopalbum. Wirklich in Erinnerung wird aber ein Song bleiben. „Gang Bang“ ist eine großartige, auf einem trockenen Beat und starkem Bass basierende, herrlich böse-morbid klingende Nummer. Wenn Madonna ab sofort nur noch solche Lieder macht, dann kann sie gerne weiter ihre Jugendwahnmacken pflegen und noch mit 90 auf Fotos in Unterwäsche posieren, dann wird sie relevant und einzigartig bleiben.

Madonna MDNA (Universal). Wertung: drei von fünf Sternen

Von Steffen Rüth

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