Kinderoper „Schneewittchen" erlebte im Tif deutsche Erstaufführung

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Inmitten der Zwerge: Elizabeth Bailey als Schneewittchen.

Kassel. Wolfgang Mitterers fantasievolle Kinderoper „Schneewittchen" erlebte im Tif ihre deutsche Erstaufführung.

Musik für Kinder muss immer leicht und putzig sein? Keineswegs, wie am Sonntagnachmittag in Kassel im ausverkauften Tif, Theater im Fridericianum, zu erleben war. Dort gab es die deutsche Erstaufführung der vielschichtigen Kinderoper „Schneewittchen“ mit Musik aus zwei Epochen.

Der österreichische Komponist Wolfgang Mitterer (Jahrgang 1958) greift in dem einstündigen Stück verschiedene Vorlagen des Spätromantikers Engelbert Humperdinck (1854-1921) auf, so auch die Lieder aus dessen unvollendet gebliebener „Schneewittchen“-Musik. Als ausgewiesener Avantgardist ergänzt Mitterer die romantischen Melodien mit elektronischen Klängen. So entsteht ein dichter, detailreicher Soundtrack.

Diese neue Klangwelt hüllt das Grimm-Märchen in eine teils ziemlich unheimliche Aura, was angesichts der Geschehnisse legitim ist: Märchen sind eben nicht nur lieb. Pianistin Giulia Glennon, die auch die Elektronik steuert, Kontrabassist Heiko Pape – beide haben die musikalische Leitung – sowie Schlagwerker Gabriel Robles realisieren gekonnt den Instrumentalpart.

So fantasievoll wie die Musik, kommt die szenische Umsetzung daher, es handelt sich um eine Produktion der Wiener Taschenoper, die am Staatstheater als Koproduktion gezeigt wird. Jewgenij Sitochin (Inszenierung), Harald B. Thor (Bühne), Isis Flatz (Kostüme) und – sehr wichtig für die Atmosphäre – Jürgen Erntl (Licht) haben eine effektvolle Optik geschaffen. Erfinderisch werden Requisiten eingesetzt, etwa verschiebbare Spiegel, die später auch den Märchenwald versinnbildlichen.

Herrlich spielfreudig agiert das Kasseler Sängerensemble: Belinda Williams glänzt als böse Königin im roten Kleid und mit extravaganter Pailletten-Haube. Lona Culmer-Schellbach ist eine warmherzige Zofe, Elizabeth Bailey ein liebliches Schneewittchen. In einer Doppelrolle erscheint Daniel Holzhauser – zuerst als Jäger, dann als grotesk selbstverliebter Königssohn, der für Lacher sorgt.

Großes Lob schließlich für die Mitglieder des Staatstheater-Kinderchores Cantamus (Einstudierung: Maria Radzikhovskiy): Den sieben Zwergen mit glockenklaren Stimmen gehörte die Sympathie des Publikums. Am Schluss gab’s riesigen Beifall für alle Mitwirkenden.

Die Zwerge: Charlotte Geismann, Alicia Neumann, Marlene Geismann, Greta Weber, Julia Dreier, Emilia Friedrich, Amelie Armbrust, Nelio Neumann, Helena Pape, Michelle Rotolo, Julian Kourdji, Ela Schumann, Artjom Kopylov, Luis Schiffer.

Wieder am: 11. 3, 15 Uhr, 13. 3, 11 Uhr, und 1. 4, 15 Uhr, Kartentel.: 1094-222. www.staatstheater-kassel.de

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