Die Hypo-Kunsthalle München zeigt den Glanz der indischen Fürstenhöfe

Märchenhafte Pracht

Prächtige Leihgabe aus London: „Feierlicher Umzug mit Maharao Ram Singh II. von Kota“ (ca. 1850). Fotos:  Hypo-Kulturstiftung

München. Märchenhafte Pracht und Herrlichkeit - so etwas hat man lange nicht gesehen: die Zeit der Maharadschas in Indien.

Bombastisch ist gar kein Ausdruck für das, was zurzeit in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München (als Partner des Museums Victoria & Albert in London) ausgestellt ist. Aber wenn so ein Groß-Fürst, eben ein Maha-Raja, unterwegs war, dann nur mit Elefanten. Ganz oben saß er, in einer Sänfte aus Silber oder gleich aus Gold, über sich nur noch einen Sonnenschirm, um sich herum Diener, die ihm Kühlung zufächelten, unter sich und zu Fuß seine Würdenträger, hinter sich das Volk der Bediensteten seines Palastes.

Ein majestätischer Elefant steht, lebensgroß nachgebildet, am Anfang der faszinierenden Ausstellung, Kopf und Rüssel auf den ersten Saal gerichtet, den wir folgsam betreten, um die Zeitreise durch 200 Jahre zu beginnen, die im 18. Jahrhundert einsetzte und 1947 endete.

Jahrhundertelang hatten muslimische Mogul-Kaiser die Geschicke Indiens verantwortet, bis sie von den hinduistisch geprägten Rajas im 18. Jahrhundert verdrängt wurden. Dabei spielte die britische Ostindien-Handelsgesellschaft ihren zunehmenden Einfluss aus - dem die rund 700 Maharadschas und Nabobs (politisch) nichts entgegenzusetzen hatten.

Nur ihre Kultur und ihren Reichtum. Den aber massenhaft und unermesslich. Gold, Gold, Edelsteine, Edelsteine. Sie müssen sich getürmt haben. Nehmen wir nur einmal den größten Einzelauftrag, den Cartier jemals ausgeführt hat: ein unschätzbar teures Kollier. Es fasste ursprünglich nicht 57 Diamanten oder 99 oder 250, sondern 2930 Diamanten. 1928 wurde es fertiggestellt, 2002 restauriert.

Museen und Sammlungen haben Pretiosen entliehen, die bislang selten andernorts zu sehen waren, insgesamt 250 Exponate. Darunter sind Stücke, die die indischen Paläste, für die sie geschaffen waren, noch nie verlassen hatten. Was wohl am schönsten ist? Ist es die Zeichnung, auf der eine Dame einen Drachen steigen lässt, oder die Sänfte aus Jodhpur oder der Thron aus Lahore oder ein Baldachin, der nur aus Perlen, Diamanten, Rubinen und Smaragden gefertigt war?

Es war die Zeit einer beispiellosen Verschwendungssucht, wo Gürtelschnallen aus puren Diamanten bestanden und in der ein Maharadscha 100 Konkubinen, 150 Köche und 300 Autos haben konnte. Heute ist diese Welt von Prunk und Prahlerei versunken, besser: abgeschafft. 1971 hat das indische Parlament die Apanagen der Maharadschas, die sie seit 1947 als Ausgleich für ihre Territorien erhalten hatten, gestrichen.

Geblieben sind Paläste im hinduistischen, im Art-Deco- oder in welchem Stil auch immer, oft riesige Bauten, die inzwischen zu Museen oder Hotels umgewandelt wurden, aber gleichwohl nichts von ihrem märchenhaften Glanz eingebüßt haben.

Bis 24. Mai. Informationen: www.hypo-kunsthalle.de Der Katalog (Hirmer Verlag) kostet in der Ausstellung 25, im Buchhandel 39,90 Euro.

Von Wolfgang Minaty

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.