Mäßig spektakulär: Das Brandt Brauer Frick Ensemble im Kulturzelt

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Der Umfang des Instrumentariums stand in keinem Verhältnis zu seinem Gebrauch: Das Brandt Brauer Frick Ensemble Mittwochabend im Kulturzelt.

Kassel. Das Interesse war groß, das Kulturzelt entsprechend gut gefüllt. Kasseler Musikerprominenz, Szenegänger und Konzertgoldgräber wurden wahrscheinlich beim Lesen der überschwänglichen Ankündigung des Brandt Brauer Frick Ensemble von Formulierungen wie „Techno im großen Stil - live und ohne Elektronik“ oder „da wurde die Demarkationslinie zwischen Beat-Plastik und Akustik besetzt“ angelockt.

Dass bei dem zehnköpfigen Orchester aus Berlin der „Popdiskurs für einen Moment ins Stocken geriet“ (Pressetext), schien aber eher daran zu liegen, das dieser schon seit geraumer Zeit sowieso nur auf der Stelle tritt. Lässt man mal die Kirche im Dorf, so hat die Band einen interessanten Ansatz, doch die Umsetzung wirkte brav und bieder.

Dass der Umfang des Instrumentariums, das man auf der Bühne präsentiert, in keinem Verhältnis zu den kreativen Möglichkeiten ihres Gebrauches steht, definiert die Gruppe als „Entschlossenheit zum Filigranen“. Doch wenn schon eine selbst installierte Wegfahrsperre, dann bitte mit Alarm. Da fehlten einfach Bassfrequenzen und Phonzahlen, um den Motor zu starten. Das klang dann sehr nach dezenter Minimal Music oder einem Workshop unter dem Motto: Wie produzieren Elec-tro DJs ihre Tracks, aber nicht nach dem „Ende der mechanischen Regentschaft“ (Pressetext).

Mit Harfe, Tuba, Violinen, Konzertflügel, Posaune, Synthiebass und diversem Schlagwerk kreierte man eine mäßig spektakuläre Klang- und Rhythmusarchitektur, die in ihrer strengen Funktionalität der emotionalen Erfahrbarkeit nur wenig Entfaltungsspielraum ließ. Wenn man die Bassdrum auf die Viertel nagelt und Ostinato-Partikel im Offbeat kreisen lässt, ist das noch kein Techno. Und auch wenn das alles fein säuberlich vom Notenblatt gespielt wird, ist das noch längst keine Klassik, Jazz oder Avantgarde.

Doch dem Publikum gefiel der Mix aus sanften Housebeats und eingängigen Klangfiguren, die das konzentriert aufspielende Tentett in 90 Minuten präsentierte. Großer Applaus.

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