Sommer-Sinfonie: Damiano Giuranna leitete das World Youth Chamber Orchestra in der Stadthalle

Maestro mit heißem Ausdruckswillen

Ausladende Gesten: Damiano Giuranna. Foto: Schachtschneider

KASSEL. Ein Klassikfest ist der alljährliche Konzertzyklus „Sommer-Sinfonie“ des Kultursommers Nordhessen: Internationale Jugendorchester zeigen innerhalb von wenigen Abenden, wie bunt die Szene ist. Höchst unterschiedlich sind die Arten des Musizierens - und Dirigierens.

Den dritten Abend gestaltete das World Youth Chamber Orchestra am Freitag vor 500 Zuhörern in der Kasseler Stadthalle. Orchestergründer Damiano Giuranna setzte einen Kontrast zum Stardirigenten Vasily Petrenko, der die „Sommer-Sinfonie“ einige Tage zuvor sensationell eröffnet hatte. Wo der Russe einen riesigen Klangkörper zweckdienlich präzise geleitet hatte, da dirigierte der Italiener 18 Streicher mit ausladenden, um nicht zu sagen fuchtelnden Gesten: ein Maestro des heißen Ausdruckswillens.

Dabei war das Programm von relativ leichtem Gewicht. Das World Youth Chamber Orchestra, im Zusammenspiel nicht die perfekteste Gruppe, servierte eine liebenswürdige Auswahl mit Stücken von Kalinnikow, Elgar, Chopin und Dvorˇák, dessen Humoreske op. 101/7 Giuranna eigens arrangiert hat.

Die Solisten Fabrizio Falasca (Violine) und Amedeo Cicchese (Violoncello) spielten Dvorˇáks mal neckende, mal schwermütige Weisen mit viel Schmackes. Eine weltmusikalische Ergänzung bildete Giurannas „Mediterranean Suite“, bei der sich ein Trommler zu den Streichern gesellte. Giuranna widmete einen getragenen Satz dieser teils vitalen, teils atmosphärischen Suite den palästinensischen und israelischen Opfern des Gaza-Kriegs.

Hauptwerk war das in der Streichorchester-Fassung gespielte Quartett op. 11 des Amerikaners Samuel Barber, bekannt durch das tieftraurige Adagio, das in zahlreichen Filmen, etwa Oliver Stones „Platoon“, als Gefühlsverstärker dient. Giuranna agierte „molto espressivo“, ließ schon im energischen ersten Satz die Tempi weit auseinander liegen - das Gegenteil straffen Musizierens. Das Publikum war größtenteils sehr angetan, applaudierte lebhaft und genoss einen langen Zugabenblock mit Wiederholungen aus dem Programm.

Von Georg Pepl

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.