Rossinis Oper „La Cenerentola“ am Kasseler Staatstheater umjubelt

Mäuschen helfen aus der Asche

In der Therapiesitzung: Hee Saup Yoon (Alidoro, von links), Vero Miller (Cenerentola), Aurora Magrí (Tanzende Maus), Hannah Ruth Breuker (Tanzende Maus), Cozmin Sime (Dandini), Elizabeth Bailey (Clorinda), Marc-Olivier Oetterli (Don Magnifico) in einem Szenenbild der Oper „La Cenerentola“ am Staatsthater Kassel.
+
In der Therapiesitzung: Hee Saup Yoon (Alidoro, von links), Vero Miller (Cenerentola), Aurora Magrí (Tanzende Maus), Hannah Ruth Breuker (Tanzende Maus), Cozmin Sime (Dandini), Elizabeth Bailey (Clorinda), Marc-Olivier Oetterli (Don Magnifico).

Starker Auftakt von Gioachino Rossinis Oper „La Cenerentola“, die bei der Premiere im nach Corona-Regeln ausverkauften Kasseler Opernhaus das Publikum zu viel Zwischenapplaus und Bravorufen hinriss.

Kassel – Das Aschenputtel muss auf die Couch. Während der Ouvertüre erzählt die junge Frau in einem Therapie-Szenario dem weisen Alidoro (Hee Saup Yoon) ihre Befindlichkeiten – hinter einem transparenten Gazevorhang wandern derweil jene Figuren vorbei, die ihr Leben bestimmen – die fiesen Stiefschwestern, der illoyale Stiefvater.

Adriana Altaras verbindet in ihrer Inszenierung eine starke Fokussierung auf die Emanzipationserzählung einer Frau, die ihre Stimme findet, mit überdrehten – teils auch etwas klamaukigen – Elementen der Commedia dell’Arte. Das passt und wird durch die starke Gesangsleistung von Vero Miller in der Titelrolle beglaubigt, die koloratursicher und mit betörend klarem Mezzosopran ihren Wertekompass vertritt („Ah, signor, s’è ver che in petto“) und dabei das Gute obsiegen lässt.

Ein liebenswerter Regieeinfall ist es, sie von zwei Mäusen begleiten zu lassen – die Tänzerinnen Aurora Magri und Hannah Ruth Breuker mit Coronamasken-Schnäuzchen wirken als ausdrucksstarke Gefühlsverstärker und setzen zudem witzige erzählerische Akzente. Erst nach und nach begreift man, dass das Bühnenbild (Ausstattung: Yashi) anfangs mit riesigen Türen so überdimensioniert ist, als sei Cenerentola mit ihren Putzlappen und Gummihandschuhen nur so groß wie die Nager. Keinen interpretatorischen oder erzählerischen Zusatznutzen bringen allerdings die Videoanimationen von Christoph Neugebauer.

Elizabeth Bailey und Daniela Vega als Stiefschwestern Clorinda und Tisbe sind nett zickig in ihrem überdrehten Prinzen-Ergatterungs-Ehrgeiz, gesanglich aber teilweise nicht sehr präsent, Marc-Olivier Oetterli gibt dem Vater Don Magnifico eine glamouröse Verlottertheit mit Yogaposen im Streifenpyjama und viel Slapstick. In all den Duetten, Quartetten, Quintetten und Sextetten auf dieser komischen Handlungsebene lauern zahlreiche gesangliche Herausforderungen – Silbensalven, die Oetterli lustvoll abfeuert. Cozmin Sime darf als Diener Dandini mit viel Spielwitz dick auftragen, wenn er in Verkleidung den Prinzen spielt – die überdimensionalen Champagnerflaschen sind mindestens so voluminös wie Dandinis Macho-Ego, das er auch mit zweideutigen Hüftschwüngen betont. Richtig loslegen kann er dann auch gesanglich etwa mit „Un segreto d’importanza“. Natürlich alles im Dienste des Prinzen, der die richtige Braut sucht.

Diesem Don Ramiro gibt Younggi Moses Do viel tenoralen Ernst und unschuldige Verliebtheit. Hervorzuheben ist etwa seine Arie „Sì, ritrovarla io giuro“. Mancher gesangliche Schlagabtausch dürfte noch etwas zackiger werden, um das turbulente Potenzial noch stärker herauszustellen, zum Beispiel das Prinz-Diener-Duett „Zitto, zitto, piano, piano“.

Mit Alexander Hannemann am Dirigentenpult (auch Hammerklavier) strahlen im klein besetzten Orchester besonders die Holzbläser, vom gemächlichen, etwas statischen Beginn an blüht der Klang mehr und mehr auf. Gut gelöst ist die Positionierung des von Marco Zeiser Celesti geleiteten Opernchors in den Logen, so können auch die wenigen Sänger viel Power entfalten – ein Surround-Sound der beim Premierenpublikum gut ankam.

Wieder am 16., 25., 30.10., Karten: 0561/10 94 222. (Von Bettina Fraschke)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.