Puppenspielerin Marianne Schoppan inszenierte ihr Theaterstück über zwei Nager zweisprachig

Mäuse mit türkischen Wurzeln

Mäuse mit türkischen Wurzeln: Puppenspielerin Marianne Schoppan mit den beiden Figuren Yasemin und Meryem. Foto: Bassing

Kassel. Die bekannte Geschichte „Die Stadtmaus und die Landmaus“ erzählt von zwei Mäusen, die in unterschiedlichen Kulturkreisen beheimatet sind. In der Inszenierung von Puppenspielerin Marianne Schoppan haben die Mäuse ausländische Wurzeln. „Sie sprechen sowohl türkisch als auch deutsch“, erklärt sie.

Eines Tages unternimmt die Stadtmaus Yasemin mit ihrem Rollschuhmobil einen Ausflug ins Grüne. Dort trifft sie auf Landmaus Meryem. Die Stadtmaus kennt aber vieles auf dem Land nicht. „Wie? Möhren kommen aus der Erde?“, fragt Yasemin. „Die liegen bei uns immer im Gemüseregal.“ Die 80 Kinder, die das Stück sehen, lachen begeistert. Auch Tiere, wie ein Schaf oder ein Igel, sind ihr fremd. Genauso geht es aber Landmaus Meryem, als sie mit Yasemin in die große Stadt fährt: „Wo sind die Bäume und Blumen?“

Die Dialoge der Mäuse finden sowohl auf Deutsch als auch auf Türkisch statt. Dabei verbindet die Puppenspielerin die beiden Sprachen so sehr, dass oft gar nicht auffällt, dass in einer anderen Sprache gesprochen wird. Yasemin sagt etwas auf Türkisch, Meryem antwortet auf Deutsch. Die Kinder, die selbst größtenteils eine verschiedene Herkunft haben, verfolgen mit Begeisterung das Stück, rufen auf Deutsch und Türkisch den Mäusen zu und klatschen immer wieder Applaus.

Mit der zweisprachigen Inszenierung möchte Schoppan die positiven Seiten der Mehrsprachigkeit ins Licht rücken. „Alle Kinder können Deutsch – und manche können auch eine zweite Sprache, das ist etwas Besonderes“, betont sie. Da das Interkulturelle immer mehr zunehme, sei es ihr wichtig, beiden Sprachen Wertschätzung entgegenzubringen.

Und an den Reaktionen der Kinder zeigt sich, dass die Puppenspielerin richtigliegt: Sie freuen sich, dass in beiden Sprachen gesprochen wird, und rufen den Mäusen „Tschüss“ und „Eyvallah“ zu, als das Stück zu Ende geht.

Interkulturelle Puppentheaterwochen im Kasseler Figurentheater – Figurentheater Albert Völkl: Sonntag, 16. Oktober, „Die Geschichte vom singenden Stock“, 14.30 Uhr; Montag, 17. Oktober, „Die Schattentrommel“, 9.30 Uhr.

Von Jessica Bassing

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