Mafia als Themenschwerpunkt

Petra Reski präsentiert in Kassel ihren neuen Krimi "Bei aller Liebe"

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Petra Reski Foto: Koch

Kassel. Petra Reski brauchte starke Nerven. „Den Ablauf üben wir noch“, hatte Lothar Röse von der Hofbuchhandlung Vietor als Veranstalter anfangs gesagt. 

Die Lesung der Journalistin und Schriftstellerin am Freitagabend war eine Premiere in der Markthalle und ein Experiment: Reski präsentierte ihren aktuellen Krimi „Bei aller Liebe“, die Besucher konnten derweil bei italienischen Köstlichkeiten der Pizzeria Busuito zugreifen.

Das sah dann so aus, dass die ersten hungrigen Gäste aufstanden, um sich an der Theke zu bedienen, genau als Reski zu lesen begann. Nicht die günstigsten Voraussetzungen, um einem Roman zu lauschen, und für Reski sicher eine Herausforderung, die sie allerdings bravourös durchstand.

Und am Ende, als auch das Tiramisu verzehrt war, als die Mafia-Expertin Fragen beantwortete, von den Recherchen erzählte, die in ihre Romane einfließen, hatte sie die ungeteilte Aufmerksamkeit, die 80 Besucher hörten gebannt zu.

In ihrer Heldin Serena Vitale seien Eigenschaften vieler sizilianischer Staatsanwälte vereint, die sie kennengelernt habe, sagte Reski. Im jüngsten Buch hat es Vitale mit einem deutschen Kollegen zu tun, der auf dem Transvestiten-Straßenstrich in Palermo tot aufgefunden wird.

Romane schreibt die 1958 in Kamen geborene und in Venedig lebende Journalistin, die schon als 20-Jährige nach Corleone fuhr, als sie den „Paten“ gesehen hatte, weil sie damit seltener vor Gericht gezerrt wird. Die zermürbenden Verfahren kosteten viel Kraft, Zeit und Geld, so Reski. Die Solidarität in den Redaktionen gering: „Es gab Zeiten, in denen ich mich in Deutschland sehr allein gefühlt habe.“ Reski las eine Passage, in der ein freier Journalist – „schlechter bezahlt als eine moldawische Putzfrau“ – in einem Magazin eine Geschichte über Korruption in der Flüchtlingsindustrie unterbringen will. Keine Chance.

Es gebe kein Interesse, am Thema Mafia zu rühren, obwohl die „wesentlicher Teil des internationalen Finanzkapitalismus“ sei und hierzulande genauso funktioniere wie in Italien. „Deutschland ist ein Paradies für die Mafia“, für Geldwäsche und illegale Geschäfte, ob es um Drogen, Waffen, Giftmüll oder um Windkraft gehe. Die Unkenntnis in der Justiz sei unentschuldbar groß. Und noch etwas machte Reski klar: Bei der Mafia gehe es nicht darum, Menschen unter Druck zu setzen, in Abhängigkeit zu bringen: „Sie gibt die Gelegenheit, Geld zu verdienen.“ Petra Reski: Bei aller Liebe. Hoffmann & Campe, 320 S., 20 Euro.

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