Gitarrenlegende Al Di Meola bot im Kasseler Kulturzelt unglaubliche Klangerlebnisse

Magischer Gitarrenpriester

Ließ sich im Kulturzelt feiern: Al Di Meola (56). Foto: Fischer

Kassel. In Chick Coreas Projekt Return To Forever startete Al Di Meola seine große Karriere. Heute geht man nicht nur zu seinen Konzerten, man macht sich auf den Weg, wie Pilger. „Ich bete, wenn ich spiele. Musik ist eine Religion“, hat er mal gesagt. Als Gitarrenlegende und „schnellster Gitarrist“ wird der Italo-Amerikaner gehandelt.

Es ist schwer, seine Künste mit Worten zu beschreiben, diese unglaubliche Präzision, Musikalität und Vielseitigkeit, dieses Rhythmusgefühl und die Art, wie er zwischen Griffen, Soli und Akzentuierungen in Windeseile zu wechseln vermag. Man muss ihn einfach erlebt haben.

Die Besucher im ausverkauften Kasseler Kulturzelt zeugten am Samstag davon: Sie waren eine staunende, andächtig lauschende, nach jedem Stück tosende und zum Abschluss im Stehen applaudierende Menge.

Mit blütenweißem Hemd und sonorer Stimme, die sein Englisch mehr verschluckte, als verständlich machte, begrüßte Al Di Meola das Publikum. Schon nach wenigen Minuten war er ihnen nah. Sein geniales Gitarrenspiel ließ jede Distanz schmelzen. Aus alten und neueren Alben brachte er Stücke und spielte sich zusammen mit seinen großartigen Mitspielern Fausto Beccalosi (Akkordeon), Gumbi Ortiz (Percussion), Peter Kaszas (Schlagzeug) und Kevin Seddiki (Gitarre) in einen Spielrausch, der sich rasch auf das Publikum übertrug.

Jazz, Latin, Rock. Wenn er spielt, sind das nur Begriffe, denn nichts davon kommt pur, oder wie man es kennt. Seine Musik ist wie ein Bild, in dem sich alle diese Farben auf geniale Weise vermischen. Selbst bekannte Ohrwürmer wie das Beatles-Stück „Strawberry Fields Forever“ wurde zum Ratespiel – die Melodie war nur zu ahnen und doch eindeutig.

Von magischer Qualität waren auch die Duette. Di Meola im Dialog mit seinem Gitarristen, der seine Linien oft doppelte oder mit Akkorden unterlegte. Di Meola im Dialog mit dem Akkordeon, das seine Soli mit melancholischen Farben schmückte. Di Meola im Dialog mit den Perkussion – unglaubliche Klangerlebnisse im stetigen Wechsel zwischen Romantik und Temperament. Nicht enden wollender Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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