Magischer Tanz: Die Staatstheater-Company im Porträt

Das Tanz-Ensemble des Kasseler Staatstheaters (von links) Zoe Gyssler, Camilla Brogaard Andersen, Shafiki Sseggayi, Victor Rottier, Johannes Wieland (Tanzdirektor), Akós Dózsa, Valentine Yannopoulos, Cree Barnett Williams, Luca Ghedini, Lauren Rae Mace (Proben- und Trainingsleiterin) sowie Gotaute Kalmataviciute. Foto: Klinger

Kassel. Tänzer sind die Hochleistungssportler unter den Künstlern des Kasseler Staatstheaters. Wir stellen das Ensemble vor der Premiere des neuen Stücks "you will be removed" vor.

Das Tanz-Ensemble des Kasseler Staatstheaters ist wie eine kleine Weltauswahl: Die neun Tänzer kommen aus neun Nationen. Derzeit studiert Tanzdirektor Johannes Wieland, der in Kassel und New York lebt, mit ihnen das Stück „you will be removed“ ein, in dem es um das Thema Flucht geht. Vor der Premiere am 22. Januar haben wir den Tänzern einige Fragen gestellt. Was bedeutet Tanz für sie? Wie überstehen sie die Trainingsqualen? Was mögen sie an Kassel? Hier sind ihre Antworten im Protokoll.

Zoe Gyssler (30, Schweiz) In Basel geboren und in Spanien aufgewachsen. Tanzausbildung in Barcelona und an der Music and Dance Academy of Jerusalem, Bachelor in Sportwissenschaft und Kulturanthropologie, ihre eigene Company heißt Bufo Makma. Seit dieser Spielzeit in Kassel.

Bevor ich anfing zu tanzen, war ich 14 Jahre Kunstturnerin - am liebsten am Boden. Ich bin süchtig nach Tanz, weil ich durch die Bewegung Emotionen erlebe, die ich sonst nicht hervorrufen kann. In Kassel gehe ich gern ins Chacal oder ins Schulz. Ich mag auch den Himmel über der Stadt, der sich manchmal von grau bis pink färbt.

Camilla Brogaard Andersen (26, Dänemark). Ausbildung an der Rambert School of Ballet and Contemporary Dance in London. Seit dieser Spielzeit fest in Kassel.

Ich wollte Tänzerin werden, weil es mich glücklich macht. In Kassel bin ich am liebsten in der wilden Natur - sie erinnert mich an meine Heimat. Ganz wichtig für mich ist exzessives Yoga, entspannen tue ich beim Backen in der Küche.

Shafiki Sseggayi (28, Uganda). Nach einem Ingenieur-Studium Tanzausbildung an der Amsterdamse Hogeschool voor de Kunsten. Hat seine eigene Tubiibye Dance Company. Seit dieser Spielzeit fest in Kassel.

Tanz ist mein Leben. Dazu gehört auch der Schmerz, denn das Leben wird einem nicht immer auf dem silbernen Tablett serviert. Meine schönsten Momente in Kassel waren die Premieren von „dog“ und „science! fiction! now!“, weil die Stücke in ihrer Bewegungssprache so verschieden waren.

Victor Rottier (27, Niederlande). Ausbildung an der Danse Academie Lucia Marthas in Amsterdam und an der Artez Dance Academy in Arnhem, war vorher HipHop-Tänzer und trat in Shows für Diana Ross auf. In Kassel seit der Spielzeit 2014/15.

Tänzer zu werden, ist nicht viel anders als die Berufswahl, Bäcker zu werden. Du machst einfach das, was du magst. Den Schmerz nach harten Übungseinheiten bewältige ich, indem ich mich stretche, gut koche und viel Wasser trinke. Die tollsten Momente auf der Bühne habe ich, wenn meine Mutter im Publikum sitzt.

Valentine Yannopoulos (25, Griechenland). Ausbildung an der State School of Dance in Athen und der Salzburg Experimental Academy of Dance. Nach vielen Engagements als freie Tänzerin seit dieser Spielzeit fest in Kassel.

Als ich 15 war, wusste ich, dass ich Tänzerin werden will. Mein Tanzlehrer zeigte mir, wie magisch diese Kunst sein kann. Zudem war ich von der Leichtigkeit fasziniert, als die italienische Primaballerina Alessandra Ferri in „Romeo und Julia“ tanzte. Man sah ihr die harte Arbeit, die dafür notwendig ist, überhaupt nicht an. In Kassel bin ich am liebsten im Wald. Es ist ein magischer Ort - gerade um sich zu regenerieren.

Cree Barnett Williams (23, Großbritannien). Ausbildung an der Rambert School of Ballet and Contemporary Dance in London. Tanzte für die Mark Bruce Company und ist zum zweiten Mal als Gast in Kassel.

Tanz ist für mich der beste Weg, um zu kommunizieren. In Kassel mag ich den Bergpark Wilhelmshöhe. Es ist so ein friedlicher Platz. Außerdem bin ich oft bei Zara und Mango. Ich bin süchtig danach, Dinge zu kaufen, die ich nicht brauche - mit Geld, das ich eigentlich nicht habe.

Luca Ghedini (27, Italien). Ausbildung unter anderem am Assoziazione Sportiva Dilettantistica Auditorium Ballet und bei der Compagnia Roberto Zappalá in Catania. Tanzte in ganz Europa und in New York, seit dieser Spielzeit fest in Kassel.

Schon als ich das erste Mal tanzte, wusste ich, dass ich Profi werden wollte. Ich spürte es in meinem Magen. Ich genieße selbst die Strapazen des Trainings. Denn wenn du keinen Schmerz fühlst, hast du nicht gearbeitet. Der schönste Moment in Kassel war für mich bislang das Theaterfest: Am Anfang war alles leise, man hörte nur den Rhythmus der Füße und das Atmen. Ich spürte das Adrenalin in allen Teilen meines Körpers.

Gotaute Kalmataviciute (23, Litauen). Ausbildung an der Kaunas Dance Theatre Aura. Seit dieser Spielzeit in Kassel.

Tanz ist für mich eine gute Plattform, um mich auszudrücken, Neues zu entdecken und einfach ich zu sein. Gegen die Schmerzen habe ich eine abendliche Routine: Stretching, eine heiße Dusche und Arnika. Morgens mag ich es, wenn mich das 8-Uhr-Läuten der Kirche St. Maria am Bebelplatz weckt.

Außerdem gehört zum Ensemble der Ungar Ákos Dózsa, der seit der Spielzeit 2013/14 fest am Staatstheater ist.

Premiere von „you will be removed“: 22. Januar (19.30 Uhr), Schauspielhaus. Kostprobe: 20. Januar (19.30 Uhr).

Karten: 0561/1094-222.

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