Magisches Kino: 3D-Film „Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger“

Annäherung zwischen Mensch und Raubtier: Patel (Suraj Sharma) stellt sich dem Tiger. Foto:  Fox/ nh

Wenn nach einem Schiffbruch auf hoher See ein schmächtiger Junge und ein bengalischer Tiger in einem Rettungsboot landen, dann klingt das nach einer verdammt kurzen Geschichte. Aber:

Der kanadische Autor Yann Martel hat aus dieser Prämisse einen über 300 Seiten starken Roman entwickelt, aus dem Ang Lee („Brokeback Mountain“) nun wiederum ein magisches Stück Kino erschaffen hat.

Erzählt wird in „Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger“ die Lebensgeschichte des jungen Pi (Suraj Sharma), der in den 70er-Jahren im indischen Pondicherry aufwächst, wo sein Vater (Adil Hussain) einen Zoo besitzt. Im Gegensatz zu seinem nichtgläubigen Vater entwickelt der Junge ein vielseitiges religiöses Interesse und betet die hinduistischen, christlichen wie muslimischen Gottheiten an.

Die politischen Verhältnisse zwingen die Familie dazu, nach Kanada zu emigrieren. Ein Teil der Zootiere soll mit in die neue Welt reisen, aber der japanische Frachter gerät in Seenot und Pi findet sich auf einem Rettungsboot gemeinsam mit einem Tiger wieder. Der 17-Jährige flüchtet sich auf ein selbstgebasteltes Floß, das er am Boot anbindet, und treibt fortan mit dem Raubtier als einzigem, gefährlichen Gefährten durch die Weiten des Pazifiks.

In das existenzielle Setting setzt Ang Lee immer wieder fantastische Elemente ein, in denen das sich verändernde Meer die emotionale Verfassung des jungen Helden spiegelt. Mal verwandelt sich die See in ein wütendes Gewässer, mal leuchtet die phosphorisierende Flora in die sternenklare Nacht, mal retten fliegende Fische die beiden Schiffbrüchigen vor dem Hungertod.

Die Bilder, die Lee aus den maritimen Welten herbeizaubert, haben eine enorme Leuchtkraft und die 3D-Technik bekommt hier eine ganz neue poetische Tiefe. Über die visuelle Projektionsfläche werden die existenziellen und spirituellen Themen gespiegelt. Denn im Aufbau der friedlichen Koexistenz zwischen Mensch und Tiger wird Pis Glaube an Gott und an sich selbst auf eine harte Probe gestellt. Das alles geschieht mit vollkommen leichter Hand und einer visuellen Kraft, die dem Kino weit über den dreidimensionalen Effekt hinaus neue Räume eröffnet.

Genre: Abenteuer

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: fünf von fünf Sternen

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

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