Maxim Gorki Theater zeigt interaktive Premiere von „Effi Briest“ auf Facebook

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So sehen die echten Schauspieler vom Maxim-Gorki-Theater aus: Anja Schneider ist Effi, Robert Kuchenbuch Innstetten.

Die aufgeregte Premierenstimmung der Besucher war wie im echten Theatersaal. Es wurde gehustet, Handys wurden ausgeschaltet, Plätze eingenommen. 1188 Zuschauer fanden sich am Montagabend auf Facebook ein, um an der ersten Theaterpremiere in einem sozialen Netzwerk teilzunehmen.

Und posteten entsprechende Kommentare zum Ritual des Gäste-Eintreffens.

So sieht die Premiere bei Facebook aus.

Gegeben wurde „Effi Briest“ nach Theodor Fontanes Roman. Das Berliner Maxim-Gorki-Theater hatte das Konzept zusammen mit der Werbeagentur Jung von Matt/ Spree entwickelt. An diesem Samstag wird auf der Bühne des Hauses eine klassische „Effi“-Inszenierung Premiere haben. Die 2.0-Version auf Facebook wurde aber ebenso fieberhaft erwartet. Auch vom Organisationsteam - 15 Akteure saßen sozusagen hinter den Kulissen zusammen an einem Tisch vor ihrem Computern und agierten streng nach Drehbuch - sogar eine Souffleuse gab es.

Etwa eine Dreiviertelstunde dauerte das Drama um die blutjunge Effi, die in der arrangierten Ehe unglücklich ist, eine Liaison mit Major Crampas hat, die ihr Mann Geert von Innstetten Jahre später entdeckt, woraufhin er sich mit dem Major duelliert.

Auf Facebook läuft nicht linear ein Film ab, sondern es wird mit den Mitteln des Netzwerks erzählt. Effis Mutter postet Fotos mit Brautkleidern, über die die Zuschauer per „Gefällt mir“-Knopf abstimmen. Effi postet ihren Umzug: „Neueste Aktivität: Wohnort zu Kessin geändert“, heißt das im Jargon. Dialoge der Figuren erscheinen in Echtzeit. Und es wird geküsst:

Effi : -*

Crampas : - *

Die Zuschauer können schließlich Geert von Innstettens Google-Suche nach einer Pistole für das Duell mitvollziehen. Worauf Major Crampas facebook-typisch reagiert: „Gefällt mir nicht“.

„Natürlich wird Facebook die echte Theaterbühne nie ersetzen“, sagt Theatersprecherin Rebecca Resem, „aber wir freuen uns über das Experiment, von dem wir vorab selbst nicht wussten, wo es hinführt“.

Zurecht, denn trotz der dringenden Aufforderung des Moderators: „kein kommentieren“ (um die Beitrags-Reihenfolge nicht durcheinander zu bringen), tat die Facebook-Gemeinde genau das: Immer wieder blinkte der hochgereckte Daumen, weil doch Theaterbesucher eine Meinung äußern wollten. „Wir wollten das Interaktive ja bewusst“, sagt Resem, „dieses Reagieren bei Facebook ist außerdem für viele von uns ein Reflex“. Insgesamt ist das Theater sehr zufrieden und erfreut über das disziplinierte Publikum und die große Resonanz. Die Premierenparty fand dann aber wieder im echten Leben statt.

http://www.facebook.com/#!/groups/MGTOB/

Von Bettina Fraschke

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