Malen, um zu leben: Suzanne von Borsody porträtierte Frida Kahlo

Tauchte ein in das Leben der mexikanischen Malerin Frida Kahlo: Schauspielerin Suzanne von Borsody im Kasseler Schauspielhaus. Foto: Malmus

Kassel. Selten sind es nur ihre Werke, die bemerkenswerten Künstlern ihren Platz in der Ruhmeshalle der Verehrung einbringen.

Oft werden sie erst durch Leid, Schmerz und Durchhaltewillen für ihre Anhänger unsterblich. Besonders auf die mexikanische Malerin Frida Kahlo (1907-1954) –„Ich lebe auf einem schmerzreichen Planeten“ - trifft das zu. Als sie mit 47 Jahren stirbt, hat sie 32 Operationen, drei während der Schwangerschaft verlorene Kinder und unzählige schmerzvolle Tage hinter sich. Aus Kahlos Briefen, Tagebüchern, Fotografien und Gemälden hat die bekannte Schauspielerin Suzanne von Borsody am Freitag im ausverkauften Schauspielhaus das berührende Porträt einer Frau gezeichnet, deren Besessenheit zu malen all ihre erlittenen Schicksalsschläge relativierte.

Als Frida Kahlo nach einem Busunglück mit Gips- und Stahlkorsett leben musste, malte sie im Krankenbett weiter. Als ihr ein Unterschenkel amputiert wurde, kommentierte sie das so: „Was brauche ich den schon. Ich kann ja fliegen.“

Eine Stecknadel hätte man fallen hören können, so sehr zog von Borsody das Publikum in den Bann. Ob Kahlos Gedanken als kesser Teenager, ob ihre von tiefer Liebessehnsucht, Eifersucht und Verlustangst geprägten Liebesbriefe oder ihren Kampf gegen die körperlichen Schmerzen und Klinikaufenthalte – von Borsody gab der legendären Malerin nicht nur ihre Stimme, sondern auch ihr Herz und eine tief berührende Identität. Sie tauchte tief in die Seele der Mexikanerin ein, lächelte, schimpfte, verzweifelte, liebte und litt, verschmolz mit ihr, während sie die Zeilen Kahlos rezitierte.

Fotoporträt mit Blumen: Frida Kahlo. Foto: privat/nh

Auch optisch versuchte die 57-Järhige, der legendären Künstlerin, die in Mexiko wie eine Heilige verehrt wird, näherzukommen: Sie trug die Frisur Kahlos und Blumen im Haar. Im Bühnenhintergrund wurden Schwarz-Weiß-Fotos aus dem Privatleben der Malerin und Videobilder ihrer bekanntesten Gemälde gezeigt.

Begleitet wurde Suzanne von Borsody von drei Musikern - Anibal Civilotti (Gitarre, Gesang), Omar Plasencia (Percussion), Kurt Holzkämper (Kontrabass) - die ihre Lesung mit sanfter Hand und spanischen Klassikern begleiteten.

Fazit: Ein Künstler-Porträt, das unter die Haut ging. Lang anhaltender Beifall im Schauspielhaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.