Die vierte Sommerakademie der Caricatura: 18 Teilnehmer produzieren in dieser Woche Komik

Malerei ist eine andere Nummer

Tipps vom Profi: Marc Seefried (links) nimmt in der Caricatura Anregungen vom Karikaturisten Gerhard Glück entgegen. Foto: Fischer

Kassel. Am Anfang stand ein Schrecken. Als die 18 Teilnehmer zu Beginn der vierten Sommerakademie der Caricatura von den Dozenten Rudi Hurzlmeier und Günter Mayer erfuhren, dass es weniger um Cartoons als um das Komische in der Malerei gehen sollte, ließen einige skeptisch den Zeichenstift fallen.

„Ich bin da nicht mit unglaublichen Vorkenntnissen gesegnet“, sagt Daniel Wolf. Der 25-jährige Göttinger studiert Kunstwissenschaft in Kassel. Einen Comic und ein illustriertes Kochbuch hat er im Selbstverlag veröffentlicht. Dass es jetzt ums Arbeiten mit dem Pinsel gehen sollte, fand er „anfangs frustrierend“.

„Malerei ist eine ganz andere Nummer“, hat Caricatura-Geschäftsführer Martin Sonntag festgestellt - weil sich Ideen nicht so fix auf Papier bringen lassen wie beim Cartoon. „Megasachen entstehen hier nicht, dafür ist zu wenig Zeit“, fürchtet Doris Schamp (26), die an der Universität für angewandte Kunst in Wien studiert.

Inzwischen hätten sich die Teilnehmer aber „reingesteigert“, sagt Sonntag, der Ehrgeiz sei groß: „Die sind ganz heiß. Gestern mussten wir um Mitternacht alle rausprügeln.“ Daniel Wolf gibt zu: „Man gewöhnt sich ein.“ Und Student Valentin Witt (23) aus Trier, der sonst „eher Skizzenhaftes“ für Freunde ins Netz stellt, ist sogar froh, mit Acrylfarben sein Spektrum zu erweitern, neue Ausdrucksformen kennenzulernen. Marc Seefried beobachtet: „Wir sind alle enthusiastisch.“ Der 23-Jährige studiert in Kassel Deutsch und Philosophie. Er ist zum dritten Mal dabei und bekam durch die Akademie Aufträge für Zeitschriften oder fürs Live-Karikieren von Hochzeitsgästen.

Ein Thema des Workshops: das Animalische. Es beginnt mit Fingerübungen: Farben aufs Papier werfen wie beim Action-Painting, mal sehen, was passiert. Eine Aufgabe: in Zufallsprodukten Tierumrisse erkennen, kurze lustige Texte dichten.

Neu im Programm ist eine Exkursion ins Schloss Wilhelmshöhe. Nach der Führung mit Gemäldegalerie-Leiter Justus Lange entstand die Idee, dass die Teilnehmer Stofftiere in altmeisterlicher Manier malen und Lange später in der Caricatura diese Werke kunsthistorisch einordnen sollte. Sonntag: „Das stelle ich mir lustig vor.“

„Sehr ergiebig“ fand Daniel Wolf den Besuch des Kabarettisten Bernd Gieseking, der über das Verhältnis von Wort und Bild referierte: Beides muss ausgewogen sein - und auf den Punkt. Eine Übung: ein Heimatgedicht in vier Minuten produzieren. „Das ist aber hier nicht wie in der Schule“, sagt Saskia Wagner vom Caricatura-Team angesichts der vielen Aufgaben. Man dürfe auch mal etwas auslassen.

Es komme auf den „Ideenpool“ an, so formuliert es Doris Schamp . Sie will vor allem am Netzwerk der jungen Künstler mitknüpfen - schon weil die Szene in Österreich viel kleiner ist als in Deutschland.

Von Mark-Christian von Busse

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.