Malocher mit Gefühl: Bosse rockt das coole Wolfhager Kulturzelt

Er singt jedes Lied, als könnte es das letzte sein: Bosse inmitten seiner Fans im Kulturzelt Wolfhagen. Foto: Hofmeister

Wolfhagen. Der viertletzte Konzertabend dieser Saison begann für Wolfgang Frey und die anderen Organisatoren des Wolfhager Kulturzelts mit einer Pleite. Ihr Team verlor ein Spaß-Fußballspiel im Stadtpark Teichwiesen gegen den Hamburger Musiker Bosse und dessen Band.

Für den Kulturzelt-Geschäftsführer muss das fast so schmerzhaft gewesen sein wie die verregnete erste Woche auf dem Festival-Gelände und der schleppende Kartenvorverkauf im Schatten des Großereignisses Hessentag. Aber dann wurde es doch noch ein toller Abend für alle. Bosse, der vom Kicken Muskelkater im Hintern hatte, rockte mit seiner sechsköpfigen Band fast zwei Stunden das mit 600 Fans gefüllte Zelt und zollte Organisatoren und Besuchern das ultimative Lob: „Danke, dass ihr so ein cooler Ort seid. Es ist toll, dass es das hier gibt.“

Der 33-Jährige, der aus der Nähe von Braunschweig stammt, muss es wissen, er hat in seiner Karriere schon viel gesehen. Noch vor fünf Jahren kamen zu einem Konzert gerade mal acht Zuschauer. Dieses Wochenende spielt er bei Rock am Ring. Seinen krachigen Indierock hat er im Lauf der Zeit zu schwelgerischem Singer-Songwriter-Pop weiterentwickelt. Die großen Melodien seiner Liebeslieder wie „Schönste Zeit“ singen die Fans in Wolfhagen Zeile für Zeile mit.

Es stört dabei gar nicht, dass Axel Bosse, wie er eigentlich heißt, kein begnadeter Musiker ist. „Ich bin wie ein Koch, der zwei gute Gerichte kann, aber nicht mehr“, hatte er unserer Zeitung gestanden. Der Schulabbrecher ist ein Malocher. Schon nach drei Liedern ist sein Hemd durchgeschwitzt und er nimmt ein Bad in der Zuschauermenge.

Seine Texte singt er mit einer solchen Inbrunst, als könnte jedes Lied das letzte sein. Eines der schönsten handelt davon, wie schwierig es ist, unverkrampft ein glückliches Leben zu leben. „Ich renn, als hätten wir vier Leben, doch wir haben nur eins“, heißt es darin.

Impressionen aus dem Kulturzelt Wolfhagen

Kulturzelt Wolfhagen - Gänsehaut und Glücksgefühle

Bosse hat keine Angst vor großen Gefühlen, er ist aber auch ein erstklassiger Entertainer, der mit Pathos über die Proteste in Istanbul reden kann, wo sein neues Album entstanden ist, und lustig über Heather Nova. Jahrelang himmelte er die US-Musikerin an. Ihrem Agenten schrieb er Mails und fragte, ob sie ein Duett singen könnten. Als Antwort kamen nur Smileys. Als Bosse den Durchbruch geschafft hatte, rief Nova doch noch an, aber da wollte er nicht mehr. Dieser tolle Bosse ist jetzt selbst der Chef.

Kulturzelt Wolfhagen, Samstag: Mia. Sonntag: Mrs. Greenbird, jeweils 20 Uhr.

Von Matthias Lohr

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