Neu im Kino: Sandra Bullock glänzt in dem Football-Drama „Blind Side“

Die Mami beschützen

Lektion auf dem Spielfeld: Mike (Quinton Aaron) lässt sich von Leigh Anne (Sandra Bullock) Tipps geben. Foto: Warner

Mit Stöckelschuhen und im viel zu engen Rock klettert Leigh Anne (Sandra Bullock in ihrer oscargekrönten Rolle) quer über die Tribünenbänke mühsam hinunter aufs Spielfeld. Sie hält es nicht mehr aus, wie ihr Schützling „Big Mike“ das Footballtraining vermasselt.

Und sie verpasst ihm eine Lektion nach Gluckenart: Mike soll den Quarterback beschützen, als wäre er seine Mami. Eine Sekunde später lehnt sich der Trainer zurück. Bei dem schwarzen Jungen hat es klick gemacht, das Training flutscht. Mike ist ein ebenso massiger wie schweigsamer Typ, Liebling jedes Footballteams, weil er die Gegner einfach umrennen kann.

„Blind Side“ ist ein Footballfilm, der den amerikanischen Traum erzählt: Einer von ganz unten, aus dem Schwarzenghetto von Memphis, kann es nach ganz oben schaffen, an eine renommierte Uni, in die Profiliga, ins Rampenlicht. Quinton Aaron spielt diesen Michael mit der Aura des Indianers aus „Einer flog über das Kuckucksnest“ - ein fast autistisch-zurückgezogener Mann, dessen innere Panzer kaum aufzubrechen sind.

Doch Regisseur John Lee Hancock stellt die wahre Geschichte dieses Michael Oher nicht ins Zentrum seiner Geschichte, was den Kitschfaktor deutlich verringert. Er porträtiert vielmehr Leigh Anne Tuohy, eine wohlhabende weiße Südstaatenfrau, die den unterprivilegierten Michael als Mitschüler ihrer Kinder kennenlernt, realisiert, dass der Junge obdachlos ist, und ihn kurzerhand in ihrer Familienvilla aufnimmt. Dank ihres Geldes und ihrer Förderung schafft Michael den Aufstieg.

Mit diesem Fokus entgeht Hancock an vielen Stellen der Rührseligkeit. Dazu ist seine Protagonistin viel zu pragmatisch - und auf sympathische Weise rustikal. Sandra Bullock spielt Leigh Anne als bodenständige Christin mit Waffe im Handtäschchen, die mit ihrer resoluten Art sogar den Gangsterboss einschüchtert. Sie duldet keinen familiären Widerspruch, lässt aber trotzdem alle vor dem Fernseher zu Abend essen.

Wie sie sich auf das in ihren Kreisen durchaus nicht anerkannte Abenteuer mit dem Unterschichts-Schwarzen einlässt, wie sie ihre Zweifel und Vorurteile überwindet und ihrem Instinkt vertraut, ist durchaus sehenswert. Erst am Ende, nach dem klassischen Verzögerungsmoment, wird in der großen Familienseligkeit doch zu dick aufgetragen.

Genre: Sportdrama

Wertung: !!!::

Altersfreigabe: ab 6

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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