Eine Kampagne will den Vorfilm wieder im Kino etablieren - Unterstützung für Filmtheater

„Man gleitet schön in den Abend“

Spot ohne Worte: Anna Thalbach macht Werbung für die Vorfilm-Kampagne, im Spot ist auch die Klappe vom Dreh zu sehen. Foto:  nh

Eine Institution soll wieder zum Leben erweckt werden: der Vorfilm. Früher fester Bestandteil eines Kinoabends, ist der kurze filmische Appetithappen von Werbespots und Filmtrailern längst aus dem Programm gedrängt worden.

Eine Kampagne macht sich nun für die Rückkehr des Vorfilms stark und unterstützt Kinos logistisch und finanziell, an die filmischen Kleinodien heranzukommen. Prominente wie Anna Thalbach werben in Spots für den Kurzfilm, bei Facebook und auf der Kampagnen-Website www.kurz-vor-film.de haben sich Tausende Unterstützer versammelt. Wir sprachen mit der Koordinatorin Heidi Schürmeier.

Was ist ein Kurzfilm?

Kurz vor Film auf Facebook:

http://www.facebook.com/kurzvorfilm

Heidi Schürmeier: Meist sind es Werke zwischen 1 und 30 Minuten. Als Vorfilm sprechen wir von 5- bis 10-Minütern.

Was kann man im Kurzfilm entdecken?

Schürmeier: Kurzfilm-Macher können in den wenigen Minuten Ideen realisieren, die in der langen Form zu aufwendig sind. Es gibt also eine große Experimentierfreudigkeit. Diese Filme kommen auf den Punkt und bieten ein Überraschungsmoment, eine einzigartige Optik, oft auch einen Lacher. Man gleitet also schön in den Filmabend hinein.

Warum gab es früher mehr Vorfilme?

Schürmeier: Es gab immer wieder Versuche, sie staatlich zu fördern, in manchen Ländern mussten etwa Kinos Vergnügungssteuer bezahlen - die ihnen erlassen wurde, wenn sie einen Kurzfilm zeigten.

Warum jetzt die Wiederbelebungsversuche?

Schürmeier: Vor einigen Jahren haben sich Verleiher und Kinoverbände überlegt, wie man den Kurzfilm wieder ins Kino bringen kann. Die Förderung wurde im Filmfördergesetz verankert. Dazu gab es den Wunsch, das Projekt mit einer Kampagne zu unterstützen. Wir sind begeistert, welche Resonanz unsere Unterschriften- und Facebook-Aktion hervorgerufen hat.

Im Kino erlebt man derzeit eher, dass die Besucher immer später in den Saal kommen, weil sie Werbung und Trailer überspringen wollen. Wollen die denn einen Vorfilm sehen?

Schürmeier: Ich habe mit einem Kinobetreiber in Kaiserslautern gesprochen, der vor jedem Hauptfilm einen Vorfilm zeigt. Dort kommen die Leute mittlerweile pünktlich und freuen sich darauf. Er hat sich ein Stammpublikum aufgebaut. Die paar Minuten verschieben das Programm nicht - und vielleicht kann man ja einen Trailer weniger zeigen. Das wäre mein Wunsch.

Wie machen Sie die Kinobetreiber neugierig?

Schürmeier: Wir unterstützen sie mit allem. Kurzfilmverleihe stellen die Filme zur Verfügung. Man kann die quasi abonnieren, sodass man jede Woche einen neuen Film bekommt. Kinobetreiber können bei der Filmförderungsanstalt eine jährliche Förderung von bis zu 1500 Euro dafür beantragen. Das deckt etwa die Kosten. Wir beraten sie bei der Auswahl und sagen ihnen, hey, das Interesse ist da, probiert den Vorfilm einfach aus.

Von Bettina Fraschke

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