„Lindenstraße“-Urgestein Marie-Luise Marjan spricht im Animationsfilm „Shrek“ die Königin

„Man holt Luft und ist zu spät“

Ausgelassen: Synchronsprecherin Marie-Luise Marjan tanzt mit einer Figur des Oger Shrek, Titelheld eines neuen Animationsfilms. Foto:  dpa

Schauspielerin Marie-Luise Marjan (69) ist in ihrer Rolle als Mutter Beimer nicht aus dem Universum der Erfolgsserie „Lindenstraße“ wegzudenken. Denkbar größter Kontrast zu dieser Arbeit ist ihre Sprechrolle der Königin im vierten Kinoabenteuer des Ogers „Shrek“. Diese Woche kommt der Animationsfilm ins Kino.

Frau Marjan, geht man majestätischen Schrittes ins Synchronstudio, wenn man einer Königin die Stimme leiht?

Marie-Luise Marjan: Nein, man geht ganz normal zur Arbeit, in Jeans und Hemd. Es ist harte Arbeit. Man muss sehr konzentriert sein und auch für die Augen ist es sehr anstrengend. Man steht im Dunklen und sieht auf eine Leinwand, auf der für Sekunden Bilder aufblitzen. Man holt Luft und ist schon zu spät.

Was verbinden Sie mit Julie Andrews, die Ihre Rolle im Original spricht?

Marjan: Julie Andrews ist eine Charakter-Schauspielerin. Sie hat eine ähnliche Stimmlage wie ich, insofern passt es hervorragend.

Ihr Gesangstalent wird in „Shrek“ nicht abgeprüft, aber können Sie auch da mit Julie Andrews mithalten?

Marjan: Ich habe viel gesungen, zum Beispiel das Musical „Viva Amigo“ mit Freddy Quinn. Es gehört zum Rüstzeug eines Schauspielers, dass er auch singen kann. Ich habe mit meinem Bruder Günther, den ich erst vor drei Jahren durch die Sendung „Das Geheimnis meiner Familie“ kennengelernt habe, ein Lied komponiert. Er kannte auch nur Helga Beimer, sie war seit zwanzig Jahren in seiner Wohnstube. Dass sich dahinter seine Schwester verbirgt, ahnte er nicht. Die Arbeit an dem Lied hat uns geholfen, Kontakt zueinander zu finden.

Der Film „Für immer Shrek“ ist ein Plädoyer für Familienwerte. Hat sich Ihr Blick auf diese Dinge verändert, seit Sie Ihren Bruder kennen?

Marjan: Natürlich, für mich in meinem Alter ist das eine wunderbare Erfahrung. Ich hatte als Kind bei meinen Adoptiveltern eine große Familie, Vater hatte neun Geschwister, Mutter fünf. Nachdem die Eltern gestorben waren, war ich ohne Familie. Jetzt im Alter kriege ich nochmal eine Riesen-Familie, allein väterlicherseits sind es dreißig Leute. Familie ist etwas Wunderbares. Schade, dass Shrek sie nicht mehr haben will. Da fragt man sich doch, was für ein Rebell in ihm steckt.

Ist die Synchron-Arbeit mittlerweile Routine?

Marjan: Nein. Meine Rolle in „Für immer Shrek“ ist nicht so groß, das Königreich versinkt schnell. Shrek möchte gern wieder der alte Oger sein, sich mal wieder so richtig suhlen. Ich hatte gehofft, dass die Königin jetzt, wo Prinzessin Fiona Kinder hat, als Oma einbezogen wird. Aber eine Königin ist nie eine Omi.

Kannten Sie Shrek, als man Sie für die Rolle anfragte?

Marjan: Nein. Ich fragte, was das denn ist, ich hatte Shrek noch nie gehört. Ich sagte, ich solle irgendetwas synchronisieren, das „Shrek“ heißt. Meine Kollegen sagten: „Was? Du kennst Shrek nicht? Das ist doch unmöglich!“. Man hat mich aufgeklärt, dass die Jugend verrückt nach Shrek ist. Es ist ja auch ein wunderbarer Animationsfilm. Uns Schauspielern muss wirklich bange werden, weil die Animationen so gut sind, dass sie die Schauspieler fast ersetzen. Ob man in zehn Jahren überhaupt noch gebraucht wird?

Diese Gefahr besteht im Fall der „Lindenstraße“ kaum.

Marjan: Nein, das niemals. Die „Lindenstraße“ ist ja auch ein Original, ein eigenes Universum, das mit nichts zu vergleichen ist.

Und sie wird demnächst 25. Wie blicken Sie zurück?

Marjan: Die „Lindenstraße“ ist eine Serie, die in unserer Zeit noch etwas zu vermitteln hat. Wir packen alle Themen des Lebens an, von A wie Aids bis Z wie Zölibat. Wir geben keine Lösungen vor, aber wir zeigen an Beispielen, dass Menschen selbst zu Lösungen kommen. Für mich ist die Zeit eigentlich immer der Ist-Zustand, in dem man sich gerade befindet. Aber sie marschiert oder rennt wie bekloppt.

Von André Wesche

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