Schauspieler Liam Neeson ist aktuell mit drei Filmen im Kino

Interview mit Liam Neeson: „Man sagt nur Text auf“

Liam Neeson ist im Kino allgegenwärtig. Am Donnerstag kommen zwei Filme mit ihm in die Kinos: Er spielt die Hauptrolle im Überlebens-Thriller „The Grey“ und ist im Action-Film „Battleship“ zu erleben. Außerdem spielt er aktuell im Fantasy-Streifen „Zorn der Titanen“.

Mister Neeson, Ihr Film „The Grey“ erzählt vom Kampf einer Handvoll Männer gegen ein Wolfsrudel. Was mochten Sie an dieser Geschichte?

Liam Neeson: Heutzutage haben wir so viele Filme, wo jemand über das Telefon Informationen einholt oder mit dem Auto fährt. Dieser Film verzichtet auf all das. Ein Flugzeug, die Macht der Elemente und eine Handvoll Typen - dieses Ursprüngliche und Puristische gefiel mir sehr. Die physische Herausforderung war natürlich enorm.

Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Neeson: Ich kannte eine Dokumentation über einen verrückten Briten, der sich dem Extremsport verschrieben hat. Er schwamm in der Arktis von Eisberg zu Eisberg. Er sprach auch über sein Training. Am Anfang hat er morgens kalt geduscht, sich langsam gesteigert bis zu einer Stunde. So lange habe ich es nicht ausgehalten, nach sechs Wochen duschte ich vielleicht sechs Minuten lang eiskalt. Es funktioniert wirklich, dein Immunsystem stellt sich darauf ein. Wenn du dann tatsächlich in so einer Kälte arbeiten musst, hält es dagegen. Das hat mir sehr geholfen.

Haben Sie nach einer größeren Herausforderung gesucht?

Neeson: Ich war mir nicht sicher, ob ich es schaffen kann. Ich war mir nicht sicher, ob Joe (Carnahan, der Regisseur) es schaffen kann. In der ersten Drehwoche herrschten Temperaturen von minus 30 bis minus 35 Grad. Wir saßen alle im selben Boot. Unsere Egos ließen wir morgens im Hotel zurück, anders hätten wir es nicht durchhalten können.

Der Film ist für heutige Verhältnisse sehr ungewöhnlich.

Neeson: Er verbindet verschiedene Genres. Nicht zuletzt steht die existenzielle Frage im Raum, wie in „Moby Dick“ oder den Geschichten von Jack London. Als Teenager habe ich diese Geschichten verehrt.

In einer emotional starken Szene wenden Sie sich in Ihrer Verzweiflung an Gott. Gehen solche Szenen tiefer als andere?

Neeson: Als Schauspieler sagt man nur seinen Text auf. Ich hinterfrage diese Sachen nicht. Wenn eine Tür nicht quietscht, muss man sie auch nicht ölen.

Sind emotionale Szenen schmerzvoll oder nur ein Job?

Neeson: Es ist mehr als nur ein Job. Aber es war nicht schmerzvoll. Lassen Sie es mich so ausdrücken: Ich hatte Zugriff auf diese Emotionen. Dazu musste ich nicht allzu tief graben.

Ist ein Film wie „Schindlers Liste“ für Sie ebenso ein Stück Arbeit wie „Kampf der Titanen“? Ist da nichts Persönliches, nur Handwerk?

Neeson: Einige Filme bedeuten mir mehr als andere, bei „Schindlers Liste“ ist das der Fall. Persönlich wird es zwischen den Rufen „Action!“ und „Schnitt!“. Danach ist es nur ein Job.

In allen aktuellen Filmen spielen Sie den Anführer. Ist das eine Position, in der Sie sich wohlfühlen?

Neeson: Im wahren Leben bin ich das Gegenteil. Aber es ist schön, Anführer zu spielen und ich kann es verstehen, wenn mich ein Studio fragt, ob ich das mache. Ich frage mich nicht, warum ausgerechnet ich dafür ausgewählt werde. Ich kann es sehen. Mit den Jahren sammelt man einiges an „filmischem Gepäck“ an.

Im Moment sind Sie mit drei Filmen im Kino. Warum laden Sie sich so viel Arbeit auf?

Neeson: Wenn diese Filme so geballt herausgebracht werden, wirkt es so, als würde man ständig nur arbeiten. Aber es gibt zwischendurch immer Freiräume. An „Battleship“ habe ich nur anderthalb Wochen gearbeitet, das war’s. Ich weiß, dass es im Trailer so aussieht, als wäre ich in jeder Szene vertreten. Der zeitliche Rahmen ist wichtig, schließlich habe ich auch andere Projekte. Und ich bin ein alleinerziehender Vater.

Von André Wesche

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