Interview: Die Geigerin Tai Murray über das Dvorˇák-Konzert, das sie bei den Kasseler Musiktagen spielt

„Man wird Teil der Musik“

Kassel. Ihre Kritiken sind eindrucksvoll. „Bezaubernd“ nannte die New York Times das Spiel der 29-jährigen Geigerin Tai Murray, nach ihrem letzten Konzert in Deutschland bei der Augsburger Mozartiade notierte die Presse „ungläubiges Kopfschütteln“ über ihre Saitenakrobatik. Am Freitag ist die Amerikanerin bei den Kasseler Musiktagen im Opernhaus mit dem Dvorˇák-Violinkonzert zu hören. Wir sprachen mit der Künstlerin.

Frau Murray, Sie spielen in Kassel das Dvorˇák-Konzert, ein sehr kraftvolles, energisches Stück. Mögen Sie solche Konzerte?

Tai Murray: Oh ja, ich liebe Konzerte, die richtig abgehen, und speziell dieses von Dvorˇák, das ich übrigens schon 2006 bei meinem ersten Konzertauftritt in Deutschland im Berliner Konzerthaus gespielt habe. Das Konzert verströmt so viel Energie, und es gibt diese schönen, aus der Volksmusik stammenden Themen.

Und es stellt auch hohe virtuose Ansprüche.

Murray: Ja, es hat seine Schwierigkeiten, aber es ist so geschrieben, dass es dem Instrument Violine entgegenkommt. Und das Akrobatische hat immer musikalische Substanz - man wird als Spielerin einfach ein Teil dieser Musik.

Sie werden in Kassel vom Symphonieorchester des Prager Nationaltheaters begleitet - aus dem Land des Komponisten. Ist das etwas Besonders für Sie?

Murray: Ja, ich hoffe, ich kann von dem Orchester noch etwas darüber lernen, wie man Dvorˇák spielt.

Ein Thema der Kasseler Musiktage ist, wie junge Musiker mit den klassischen Werken umgehen. Spielen Sie selbst diese Musik anders als Ihre Lehrer?

Murray: Es ist wichtig, dass man viel über diese Musik weiß, dass man Informationen von seinen Lehrern bekommt, dass man von ihrer Erfahrung profitiert. Dennoch nehme ich die Musik mit meinem eigenen Verständnis auf, und das ist nun mal das des 21. Jahrhunderts. Deshalb spiele ich sicher anders als meine Lehrer. Man muss sich aber bewusst sein, dass man selbst eine Art Brücke ist, die die musikalische Tradition von der Vergangenheit in die Zukunft trägt.

Unterrichten Sie auch selbst?

Murray: Ich gebe öfter Meisterkurse. Aber ich habe keine festen Schüler, weil ich so viel unterwegs bin. Einer meiner Lehrer in Bloomington entschuldigte sich mal, als eine Stunde ausfiel, das sei ihm das erste Mal in 28 Jahren passiert. So eine Verantwortung müssten alle Lehrer für ihre Schüler empfinden.

Fühlt es sich unterschiedlich an, je nach dem, ob Sie in Amerika oder in Europa auftreten?

Murray: Sogar jedes einzelne Publikum ist unterschiedlich. Generell kann man sagen, dass in Europa Konzerte selbstverständlicher zum Alltag gehören als in Amerika. Und wenn man nach den Konzerten mit den Menschen redet, dann spürt man hier ein großes Interesse an den Kompositionen und an der Interpretation.

Welche Musik haben Sie auf Ihrem iPod, was hören Sie, wenn Sie durch den Park gehen?

Murray: Oh, aktuell ist das zum Beispiel Amy Winehouse. Auch so ein paar Drum ’n’ Bass-Sachen und auch Arthouse. Es ist Musik, die ich höre, der ich aber nicht intensiv zuhöre.

Kasseler Musiktage. Freitag, 20 Uhr, Opernhaus Kassel. Karten unter Tel. 0561 / 203 204.

Von Werner Fritsch

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