Bayerischer Streit um Dürer-Gemälde eskaliert

Mann im Pelzrock soll partout reisen

Zu fragil? Dürers „Selbstbildnis im Pelzrock“. Foto: nh

Kassel. Die Auseinandersetzungen reichen bis zur Erpressung. Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg will in der Ausstellung „Der junge Dürer“ ab 24. Mai das berühmte „Selbstbildnis im Pelzrock“ des Malers (1471-1528) aus der Alten Pinakothek München zeigen, die Museumskollegen aus der Landeshauptstadt weigern sich, das Bild herzugeben.

Inzwischen hat sich der Bayerische Landtag eingeschaltet. Alle fünf Fraktionen plädierten in Dringlichkeitsanträgen für die Ausleihe. Der Franke Karl Freller (CSU) drohte, andernfalls gebe es kein Geld für den Bau eines neuen Münchner Konzertsaals. Ministerpräsident Horst Seehofer will die Wittelsbacher Landesstiftung als Eigentümer persönlich überzeugen. Für die Ausstellung - die größte Dürer-Schau seit Jahrzehnten - sei das Bild ein unschätzbarer Gewinn.

Klaus Schrenk, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, rechtfertigt sich, das Bild gehöre zum Kernbestand von 113 Werken, die wegen ihrer überragenden Bedeutung nie verliehen würden. Solche Sperrlisten sind in Museen üblich. Zweitens sei es so fragil und empfindlich, dass der Transport gefährlich, Schäden durch veränderte klimatische Bedingungen zu befürchten seien. Indem Schrenk den Kollegen vorwarf, das über 500 Jahre alte Bild sei bereits 1971 gegen den Restauratoren-Rat nach Nürnberg ausgeliehen worden und mit Farbverlusten und einer geöffneten Fuge zurückgekommen, goss er Öl ins Feuer und erntete ein wütendes Dementi.

Unterstützung erhält Schrenk vom Deutschen Museumsbund, der die Verantwortung allein bei den Fachleuten sieht. Er wäre - wie bei der „Mona Lisa“ - „nie auf die Idee gekommen, das Bild überhaupt anzufragen“, sagt auch Justus Lange, Leiter der Gemäldegalerie Alte Meister in Kassel. Er stehe „ganz auf der Seite von Herrn Schrenk“. Landtagsabgeordneten fehle sicher die Eignung, sich über konservatorische Belange zu äußern.

Von Mark-Christian von Busse

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