Heiko Grosche brillierte im Dock 4 mit Casting-Szenen eines arbeitslosen Schauspielers

Mann mit vielen Gesichtern

Heiko Grosche Foto: nh

Kassel. Nur ein schmuckloser Tisch steht auf der Bühne. Ein Mann betritt sie. Er blickt sich um, stellt einen Koffer ab, kramt ein Diktiergerät hervor, lässt es abspielen: „Ist es Mord, kommt der junge Mann auf den elektrischen Stuhl? Versuchen Sie, nach bestem Gewissen ihr Urteil zu fällen.“ Der Mann schaltet ab, blickt ins Publikum und spricht: „Der Fall ist eindeutig. Machen wir eine Probeabstimmung.“

Zunächst fühlen sich die Besucher persönlich angesprochen, doch rasch wird deutlich: Der Mann schaut durch sie hindurch. Er spielt einen Ausschnitt aus dem Stück „Die 12 Geschworenen“ und zugleich einen Schauspieler, der bei einem Theater vorspricht. Heiko Grosche begeisterte am Freitag mit dieser Doppelrolle im Dock 4.

So fesselnd kann Schauspielkunst sein. Gleich aus sechs Stücken bot Grosche Auszüge: „Ich habe da etwas für Sie vorbereitet“, erzählt er einer imaginären Jury und bietet Szenen aus Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“, Molières „Menschenfeind“ und einiges mehr feil. Und zwar im Dialog. Beim Justizdrama „Die 12 Geschworenen“ ist er Ankläger wie auch der einzige Geschworene, der auf Freispruch plädiert, bei Schillers „Räubern“ der hinterlistige Franz Moor wie auch dessen hilfloser Vater.

Gekonnt wechselt Grosche die Farben seiner Charaktere und mimt nebenbei auch noch den verunsicherten Künstler, der beim Theaterklinkenputzen so manche Schmach erdulden muss: „Ich könnte noch das Gedicht ,Bübchen auf dem Eis’ bringen“, bittet der. Die harsche Antwort spiegelt sich in seinem Gesicht: „Was? Nein? Sie rufen mich an? Danke!“ Auch das Publikum bedankte sich und konnte sich noch eine Zugabe erklatschen.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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