Marburger Oktett: Dissonanzen selbstverständlich

Jean Kleeb Archivfoto: nh

Kassel. Nur gut halb besetzt war die Dreifaltigkeitskirche, aber die am Samstag gekommen waren, werden es nicht bereut haben. Jean Kleeb stellte sich nicht nur als Dirigent des Marburger Oktetts vor, alle Kompositionen des Abends stammten von ihm.

Den ersten Teil bildeten A-cappella-Sätze nach moderner Lyrik von Trakl bis Enzensberger. Die Sänger Dorith Neumeyer und Miriam Jerabeck (Sopran), Regina Kuhl und Birgit Küllmer (Alt), Michael Brauer und Marc Müllenhoff (Tenor) sowie Hartmut Raatz und Ralf Wicke (Bass) bilden ein homogenes Ensemble, das mit Präzision und starkem Ausdruck (Dynamik!) die gemäßigt modernen Sätze seines Dirigenten sang. Daraus folgte, dass viele Dissonanzen wie selbstverständlich klangen und nicht fremd, ein Beispiel hoher A-cappella-Kunst.

Wie schon im ersten Teil führte Andrea Wöllenstein in den Sinn und die Intention der Magnificat-Komposition ein. Kleeb sieht in dem Lobgesang der schwangeren Maria eine weltumfassende versöhnende Bedeutung zwischen Völkern und Religionen, ein Weltmusik-Magnificat. Mit wechselnden Besetzungen (Frauen- und Männer-Chor und Soli) und dem an das jeweilige Land angepassten Kompositionsstil ergab sich ein buntes, aber kompaktes Gesamtwerk, das mit großem Engagement musiziert wurde.

Der vielseitige, aus Brasilien stammende Jean Kleeb nahm gemeinsam mit seinem Ensemble den Schlussapplaus entgegen. Die Wiederholung eines Satzes aus dem Magnificat war der Dank. Nicht wenige Hörer werden sich ein Wiedersehen und -hören gewünscht haben.

Von Gerhard Raßner

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