TV-Kritik

Mark-Christian von Busse über den Münchner „Tatort“: Kaum auszuhalten

Eine unvergleichlich brutale Anfangsszene - ein Vergewaltiger entledigte sich seines Opfers, als wäre es ein Stück totes Vieh -, ein aufwühlender Film: Der herausragende gestrige „Tatort“ aus München, „Nie wieder frei sein“ von Dinah Marte Golch (Buch) und Christian Zübert (Regie), hatte es in sich.

Er verklammerte diverse Aspekte eines Kriminalfalls, die oft sehr kurz kommen: unsägliches Leid der Opfer, Rachefantasien, Selbstjustiz der Angehörigen, aber auch die Hilflosigkeit der Täter-Familien und die Zerrissenheit der Anwälte, die Schwerstverbrecher verteidigen. Vor allem aber ging es um die Mechanismen des Rechtsstaats, dessen Mühlen manchmal allzu langsam mahlen.

Wegen eines Formfehlers war der Vergewaltiger (verkörpert von Shenja Lacher) freigekommen. Eine Regelung, die Unschuldige vor staatlichen Überreaktionen schützen soll, half hier einem gefährlichen Sexualstraftäter - nicht nur für das Ermittlerduo Batic/Leitmayr (Miroslav Nemec/Udo Wachtveitl), diesmal in Topform, war das kaum auszuhalten.

Auch das übrige Ensemble war große Klasse. Anna Maria Sturm als verstörtes Opfer, Stephan Zinner als ihr vor Zorn rasender Freund, die überforderten Eltern, Lisa Wagner als ehrgeizig-fähige Anwältin und Tilo Prückner, der Vater des Vergewaltigers - sie alle spielten großartig. (vbs)

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