Hatte fast so viele Hits wie Baseball-Kappen

Mark Forster im Interview: "Fußball-Songs sind besser als ihr Ruf"

Mark Forster.

Sein Hit "Au Revoir" lief vor zwei Jahren in der Kabine der Fußballnationalelf hoch und runter. Pünktlich zur EM in Frankreich liefert Mark Forster den nächsten Hit.

In den vergangenen Jahren hat Mark Forster fast so viele Hits geschrieben, wie er Baseball-Kappen zu Hause hat. Am Freitag erscheint das zweite Album des Berliner Popmusikers, der aus dem pfälzischen Winnweiler stammt und mit „Au Revoir“ berühmt wurde. Für „Tape“ hat Forster mit den Harlem Gospelsingers zusammengearbeitet. Die Streicher hat Rosie Danvers aus London arrangiert, die sonst für Weltstars wie Adele tätig ist. Die Single „Wir sind groß“ ist der offizielle Fußball-EM-Song des ZDF. Wir sprachen mit dem 32-Jährigen.

Wissen Sie noch, welchem Mädchen Sie Ihr allererstes Mixtape aufgenommen haben? 

Mark Forster: Für Mädchen habe ich damals nur auf dem Klavier geklimpert. Aber ich habe für mich selbst viele Mixtapes aufgenommen. Das war nicht so einfach, weil wir in Winnweiler nur zwei Radiosender empfangen konnten: einen Oldiesender und einen, der alles gespielt hat. Bei dem habe ich immer gewartet, bis meine Lieblingssongs kamen, um sie mit der Stereoanlage aufzunehmen.

Ist Ihr neues Album „Tape“ auch eine Art Mixtape? 

Forster: Ich wollte zumindest eine Platte machen, die sich so vielseitig und irgendwie nach Zuhause anfühlt. Die Idee dazu kam mir, als ich im Urlaub in New Orleans eine Liveband mit 20 Musikern sah. Auf dem Album sollten amerikanische Sounds zu hören sein.

Aber trotz Gospelchor und Brassband ist das immer noch deutschsprachiger Pop zwischen Melancholie und Freude. 

Forster: Ich finde das Album viel heller als das vorherige. Bei „Bauch und Kopf“ wusste ich nicht so recht, wohin es gehen sollte. Darum klangen die Songs relativ melancholisch. Jetzt geht es mir viel besser, weshalb das Album froher ist. Es ist ein Spiegel der letzten zwei Jahre, die der Wahnsinn waren.

Wie hat Ihr unglaublicher Erfolg Ihr Leben verändert? 

Forster: Gar nicht so sehr. Erfolg ist wie ein Wirbelsturm: Ich stehe in der Mitte des Orkans und sehe die Kühe an mir vorbeifliegen. Toll ist natürlich, dass ich nun unglaubliche Dinge machen kann. Also etwa für den besten Gospelchor der Welt nach New York fliegen.

Haben Sie von so etwas geträumt, als Sie noch Pianist und Sidekick des Komikers Kurt Krömer waren? 

Forster: Nein, ich habe die Musik nur noch für mich selbst gemacht, weil ich dachte, das wird nichts mehr. Den Plattenvertrag bekam ich nur per Zufall: Mein Studio hatte ich in Kreuzberg. Gegenüber probten die Musiker von Seeed. Als ein Typ von ihrer Plattenfirma kam, sagten die Jungs: „Schau doch mal bei Mark vorbei. Der ist nicht schlecht.“ Einen ganzen Tag haben wir meine Festplatte durchgehört. Dann hat er mir einen Vertrag gegeben.

Die Single „Wir sind groß“ handelt vom Aufbruch. Welche Geschichte steckt dahinter? 

Forster: Sie erzählt von Freundschaft und dem einen großen Sommer, den jede Gang hat. An den erinnert man sich ein ganzes Leben lang.

Nun könnte das Lied zum Hit der Fußball-EM werden. Hätten Sie Ihren Freund Lukas Podolski zur EM mitgenommen, wenn Sie Bundestrainer wären? 

Forster: Auf jeden Fall. Welche Mannschaft hat schon einen so erfahrenen Spieler, der ständig Stimmung macht und den du immer bringen kannst. Lukas ist der beste Turnierspieler der Welt. 2014 twitterte er meinen Song „Au Revoir“. Seitdem sind wir in Kontakt. Ich habe ihm sogar eine Platinschallplatte geschenkt.

Warum gibt es eigentlich so wenig gute Fußballlieder? 

Forster: Ich finde, Fußball-Songs sind viel besser als ihr Ruf. Es gibt halt einfach sehr viele. „54, 74, 90, 2006“ von den Sportfreunden Stiller reicht für mich fast an „Three Lions“ von den Lightning Seeds heran - für viele das beste Fußballlied überhaupt.

Wie oft sind Sie noch daheim im pfälzischen Winnweiler? 

Forster: Nicht mehr so oft, aber am 18. Juni spiele ich dort ein großes Festival. Innerhalb einer Woche wurden gut 4000 Tickets verkauft. Dabei hat der Ort gerade mal so viel Einwohner. Die Leute sind stolz auf mich. Vielleicht nennen sie sogar den Marktplatz bald in Mark-Forster-Platz um.

Muss man dafür nicht tot sein? 

Forster: Echt? Dann sollen sie damit noch warten.

Zur Person 

Geboren: am 11. Januar 1984 in Kaiserslautern unter dem Namen Mark Cwiertnia als Sohn eines Deutschen und einer gebürtigen Polin.

Karriere: Zog nach der Schule nach Berlin, wo er als Pianist arbeitete und Jingles fürs Fernsehen schrieb - darunter die Titelmelodie von „Krömer - Die internationale Show“. Der Durchbruch gelang ihm 2014 mit der Dreifach-Platin-Single „Au Revoir“.

Privates: Lebt in Berlin - mehr verrät er nicht. Fan des Fußball-Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern. Zieht seine Baseball-Caps nur zum Schlafen aus.

Das Album: „Tape“ ist bei Four Music (Sony) erschienen.

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