Markus Knierim bringt den Jazz nach Kassel

Markus Knierim hat aus dem Kasseler Theaterstübchen einen der coolsten Jazz-Clubs der Republik gemacht. Dafür gibt es nun einen Preis. Dabei sah es für ihn nicht immer rosig aus.

Markus Knierim schafft es, dass sogar wilde Katzen zahm werden. Gerade war die Berliner Pop-Band Mia in seinem Theaterstübchen in Kassel zu Gast. Sängerin Mieze gilt nicht gerade als einfach. Doch diesmal war alles anders. Mieze staunte erst über das Jazz-Taxi, einen Citroen DS aus dem Jahr 1968, mit dem Knierim seine Künstler chauffiert. Und nach dem Konzert schwärmte sie von dem tollen Club und seinem Macher.

Nicht nur von Mieze erhält Knierim viel Lob. Jazz-Fans aus der ganzen Republik kommen nach Kassel, wenn hier Stars wie Ron Carter, Ute Lemper und Joshua Redman auftreten, die sonst nur auf den großen Bühnen der Metropolen zu erleben sind. Am Sonntag bekommt der 53-Jährige mit dem Kasseler Förderverein für Kulturarbeit (Kafka) den Kulturförderpreis der Stadt.

Knierim sagt von sich, dass er ein „Verrückter“ sei. Verrückt ist auch seine Erfolgsgeschichte in einer Zeit, in der andernorts Live-Clubs sterben. In der Vergangenheit ist Knierim bereits mehrmals totgesagt worden. In den 80ern betrieb der gebürtige Kasseler, der die Schule kurz vor dem Abi ebenso abbrach wie später eine Kochlehre, einen Szeneclub in Portugal, dem ihm bald die „Kneipen-Mafia“ abnahm, wie er sagt.

Das Theaterstübchen eröffnete er 1996 im Steinweg, wo vor allem Schauspieler des nebenan liegenden Staatstheaters zu den Gästen gehörten. Auch in der Obersten Gasse war es ein Künstlertreff, ehe Knierim 2001 seinen Keller-Club in der Jordanstraße im einstigen „Movie“ neu eröffnete.

Filmreif war das Theaterstübchen da noch nicht. „Oft kamen nur zwanzig Zuschauer, manchmal auch nur zwei“, erinnert sich Knierim. 2007 überstiegen die Kosten die Einnahmen. Er wollte schon aufhören. Da gründeten Freunde wie Ingrid Pee, Angelika und Martin Flörke sowie der Journalist Rainer Schumann den Verein Kafka, der für zwei Jahre Veranstalter war. Zugleich arbeitete Knierim noch mehr.

Jazzfrühling mit Till Brönner

Heute brummt der Laden, in dem modernste Technik steckt und der auch heimischen Musikern eine Bühne bietet. Bis zu 16 Stunden arbeitet Knierim am Tag: „Ich bin eigentlich immer da.“ Und wenn er nicht da ist, knüpft er Kontakte wie auf der Bremer Fachmesse Jazzahead. Lutz Engelhardt vom Kasseler Kulturzelt sagt über seinen Kollegen: „Ich kenne in Deutschland keinen anderen Kulturveranstalter, der mit so viel Empathie und Liebe seinen Club betreibt. Er hat ein untrügliches Gespür für gute Musik und die Gabe, Agenten und Künstler für sich einzunehmen.“

Im März 2016 holt Knierim unter anderem Trompeter Till Brönner mit seinem Quintett zu seinem Jazzfrühling, für den er noch Sponsoren sucht. Reich wird man mit Live-Musik nicht. Es bleibt ein riskantes Geschäft, das sich nur lohnt, weil die wöchentlichen Disco-Abende voll sind. Knierim sagt: „Ich lebe meinen Traum, aber ich bin noch lang nicht am Ziel.“

Zur Person

Geboren:  am 11. Juni 1962 in Kassel

Ausbildung: Kochlehre (abgebrochen). Knierim ist seit 1978 in der Gastronomie tätig

Privates: Lebt in einer Beziehung. Vater eines Sohnes (24).

Der Preis: Der mit insgesamt 7500 Euro dotierte Kulturförderpreis der Stadt Kassel wird am Sonntag, 11 Uhr, im Schauspielhaus an den Kasseler Förderverein für Kulturarbeit (Kafka), das Brachland-Ensemble sowie das Tanz-Netzwerk Get Together vergeben.

www.theaterstuebchen.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.