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Kostbares Porträtrelief einer Prinzessin erworben

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Das Porträtrelief der Kronprinzessin Elisabeth von Preußen (1801-1873) von Christian Daniel Rauch.
„Umwerfender Effekt“: Das Porträtrelief der Kronprinzessin Elisabeth von Preußen (1801-1873) von Christian Daniel Rauch. © Kulturstiftung der Länder

Ein Marmorrelief von Christian Daniel Rauch ist für das Bad Arolser Museum mit Werken des bdeutenden Bildhauers erworben worden.

Bad Arolsen – Bedeutender Ankauf für Bad Arolsen: Das Christian Daniel Rauch-Museum hat ein Porträtrelief der Kronprinzessin Elisabeth von Preußen (1801-1873) erworben, das Rauch in den 1830er-Jahren geschaffen hat. Es zeigt die Frau des ab 1840 regierenden Königs Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861).

Allein die Kulturstiftung der Länder hat zum Ankauf 60 000 Euro beigesteuert. Weitere Förderer sind die Hessische Kulturstiftung und die Ernst von Siemens Kunststiftung.

Das aus Privatbesitz erworbene Bildnis könne Rauch zweifelsfrei zugeschrieben werden, erläutert die Kulturstiftung der Länder. Das annähernd quadratische Relief aus weißem Cararra-Marmor zeigt die als Elisabeth Ludovika von Bayern – Tochter von König Maximilian I. (1756-1825) – geborene Prinzessin, die 1823 den preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm IV. heiratete.

Der Bildhauer zeigt sie im Profil in einem fensterartigen Rundbogen. Das Haar, am Hinterkopf zusammengebunden, fällt in weichen Locken über die Schläfe. In der erhobenen Hand hält sie ihre Lieblingsblume, ein Maiglöckchen. Oberhalb des Bogens befinden sich ein Löwe und ein Adler – das bayerische und das preußische Wappentier. Unterhalb der Darstellung der Prinzessin befindet sich in hellem Blau der Schriftzug „Elisabeth Kronprinzessin von Preußen“.

Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder, spricht von einem wichtigen Beispiel für die Repräsentation der preußischen Königsfamilie und der spätklassizistischen Porträtkunst durch einen der gefragtesten Bildhauer seiner Zeit.

Im Bestand des Bad Arolser Museums – das über den umfangreichsten Bestand von Werken Rauchs in Deutschland verfügt, ergänzt durch Werke seiner Zeitgenossen – befindet sich bereits das Gipsmodell als Leihgabe der Alten Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin. „Für uns als Museum ist der Neuzugang doppelt spannend“, sagt Sandra Simshäuser, die gerade als Nachfolgerin der langjährigen Direktorin Birgit Kümmel die Leitung in Bad Arolsen übernommen hat: zum einen wegen des unmittelbar möglichen Vergleichs mit dem Gipsmodell, durch den sich der Entstehungsprozess von Rauchs Werken anschaulich vermitteln lasse. Zum anderen mache ihre einzigartige Bearbeitung die Relieftafel zu einer Besonderheit. „Der Marmor um das Porträt ist so dünnwandig gearbeitet, dass einfallendes Sonnenlicht von der Rückseite das Bildnis rötlich erstrahlen und fast durchsichtig erscheinen lässt“, sagt Simshäuser: „Um das zu ermöglichen, wurde die Relieftafel frei im Raum aufgestellt. Der Effekt ist schlicht umwerfend.“

Die Kulturstiftung hebt den einmaligen, funktionstüchtig erhaltenen Drehmechanismus des Standfußes hervor. Das Porträt sei vermutlich zur jeweiligen Lichtquelle ausgerichtet worden, durch die der Marmor durchscheinend wirkte. Vergleichbar sei diese Praxis mit den zeitgleich populären „Lithophanien“, Reliefdarstellungen aus durchscheinendem Material, die ihre Wirkung im Gegenlicht – vor einem Fenster oder einer Kerze – entfalteten. Mitte des 19. Jahrhunderts fertigte beispielsweise die Königliche Porzellan-Maufaktur Berlin solche Porzellanreliefs an.

Christian Daniel Rauch, 1777 in Arolsen geboren, hier im Porträt (1846) von Karl Begas, ist einer der wichtigsten Künstler des deutschen Klassizismus. Er gehört neben seinem Lehrer Johann Gottfried Schadow zu den Begründern der Berliner Bildhauerschule. Rauch wurde beim Arolser Hofbildhauer J. F. Valentin, in Kassel an der Kunstakademie und bei Johann Christian Ruhl ausgebildet, ehe er zunächst als Kammerdiener bei König Friedrich Wilhelm II. arbeitete. 1804 erhielt er ein Stipendium von Friedrich Wilhelm III., um in Rom zu studieren, wo er zum Kreis um Wilhelm von Humboldt gehörte. Zu seinen Hauptwerken gehört das Grabmal Königin Luises von Preußen im Mausoleum des Schlossparks Charlottenburg und das Reiterstandbild Friedrichs des Großen Unter den Linden in Berlin. Rauch hatte aus einer unehelichen Verbindung die Töchter Agnes und Doris. 

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