Museumsverein und Sponsoren kaufen 23 000 Euro teure Dillis-Zeichnung für die Graphische Sammlung

Maroder Baum, frische Blätter

Lockere, freie Strichführung: Johann Georg von Dillis’ Blatt „Verwitterter Baumstamm vor einer Berglandschaft“ (um 1790, Graphit, schwarze Kreide, braun laviert aus bräunlichem Papier) hat der Museumsverein mit Sponsoren erworben. Foto: MHK

Kassel. Einen spektakulären Zuwachs verzeichnet die Graphische Sammlung der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) im Museum Schloss Wilhelmshöhe: eine Zeichnung des Landschaftszeichners und -radierers Johann Georg von Dillis, „Verwitterter Baumstamm vor einer Berglandschaft“.

Angekauft wurde das Blatt für 23 000 Euro dank der Sponsoren Christiane Pietzcker aus Kassel, der Dirk- und Christiane-Pietzcker-Stiftung und des Museumsvereins. Als Leihgabe hat der Museumsverein die Zeichnung der Graphischen Sammlung zur Verfügung gestellt. Für deren Leiterin Dr. Christiane Lukatis stellt sie eine große Bereicherung dar, weil Dillis in den Kasseler Beständen bisher nicht nennenswert vertreten war und die Zeichnungen der Goethezeit um ein stimmungsvolles Meisterwerk bereichert werden.

Das aus dem Münchener Kunsthandel erworbene Blatt war zuvor von der Albertina in Wien mit 28 anderen Zeichnungen des jüdischen Sammlers Michael Berolzheimer (Fürth 1866 - Mont Vernon, New York 1942) restituiert, also an dessen Erben zurückgegeben worden. Bei seiner Flucht aus Deutschland hatte Berolzheimer 1938 seine über 800 Blätter umfassende Handzeichnungssammlung zurücklassen müssen.

Johann Georg Dillis (1759-1841) ließ sich nach einem Theologiestudium an der Münchner Zeichnungsakademie ausbilden. Um Geld zu verdienen, gab er in adligen Familien Zeichenunterricht. Im Auftrag des Amerikaners Graf Rumford hielt er die „interessantesten Gegenden des Bayer. Gebirges“ fest. „Auf einer dieser Reisen könnte auch die Zeichnung des umgestürzten Baumstamms vor einer weiten Berglandschaft entstanden sein“, mutmaßt Lukatis. Dillis nutze geschickt den zerborstenen Stamm, um den Tiefenzug der Landschaft zu verstärken und den Blick zu dem angedeuteten Bergsee im Hintergrund zu ziehen. Effektvoll kontrastiere der marode Baum mit dem frisch ausschlagenden Buschwerk dahinter. Die lockere, freie Strichführung, mit der Dillis die feinen Zweige und Blätter andeute, verweise bereits auf sein Spätwerk, in dem er sich eine äußerst moderne, unkonventionelle Zeichenweise aneignete.

Dillis stand ab 1790 als Galerieinspektor, später Galeriedirektor im Dienst der Bayerischen Könige. Er war maßgeblich am Ausbau der 1836 eröffneten Alten Pinakothek beteiligt. Nun war er finanziell unabhängig, um künstlerisch eigene Wege zu gehen. Dillis’ umfangreiches zeichnerisches Werk dokumentiert seine zahlreichen Reisen nach Italien, Paris, Wien oder Prag.

Dr. Christiane Lukatis stellt die Zeichnung in der „Kunstpause am Mittag“, 11.5., 12.30 Uhr, in der Torwache am Landesmuseum vor.

Von Mark-Christian von Busse

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