Das Alte Museum in Berlin wird jetzt von Etruskern und Römern beherrscht

Masken, Tänzer, Krieger

Etruskischer Stirnziegel mit der Darstellung der Juno Sospita aus Latium (Italien, um 500-480 v. Chr.).

Berlin. Außerhalb Italiens ist sie nirgends sonst so reich vertreten wie in Berlin: Nun nimmt die Kunst der Etrusker ihr Stammhaus am Lustgarten wieder in Besitz. 71 Jahre seit ihrer Evakuierung aus dem Alten Museum 1939 war die Sammlung nicht mehr in ihrer Gesamtheit zu sehen. Die Antikensammlung der Staatlichen Museen musste sich bescheiden, weil im Obergeschoss Nofretete Hof hielt.

Da die schöne Ägypterin nun im Neuen Museum residiert, ist Platz für die Hochkultur aus dem Herzen des antiken Italien. Es lockt „Italia Antiqua“. 700 Steinskulpturen, Bronzen, Architekturterrakotten, Sarkophage, Goldschmuck und Münzen belegen auf 1500 Quadratmetern die etruskische Kultur und ihren Nachhall im römischen Italien.

Abgesehen von großformatiger Wandmalerei der etruskischen Kammergräber sind alle wichtigen Gattungen dieser höchst eigenwilligen Kunstproduktion versammelt. So das komplette Inventar des Kriegergrabes aus Tarquinia, die monumentale Urne in Form eines Hauses aus Chiusi, die Schriftzeichen auf der Tontafel von Capua sowie Porträts von Caesar und Kleopatra.

„Befreit aus dem Dunkel der Depots und dem bleiernen Grau des zu jeder Jahreszeit völlig unzureichend beleuchteten Nordflügels im Pergamonmuseum, erscheinen die Berliner Etrusker und Römer jetzt im hellen Licht des Obergeschosses des Alten Museums in einer Präsentation, die auf inhaltliche Verknüpfung, hohe künstlerische Qualität und den historischen Zeugniswert der Exponate setzt“, sagt Andreas Scholl, Direktor der Antikensammlung.

Auf Inszenierung hat man verzichtet. Die Etrusker, deren Aufstieg im späten 8. und 7. Jh. v. Chr. begann, sprechen für sich. Dass sie sich nicht nur durch Sprache und Sitten von allen anderen Völkern unterschieden, zeigen ihre einzigartigen Schöpfungen: tolle Gefäße, maskenhaft schmunzelnde Gesichter, graziles Getier, beschwingte Tänzer, elegante Krieger, kauzige Kentauren.

Bis nach Christus, zum Marmorsarkophag eines Feldherrn, reicht das Zeitfenster im ersten Stock. Im Erdgeschoss wird noch an der Vollendung des Rundgangs gewerkelt. Die dort beheimateten Griechen harren der Neuaufstellung. 2011 wird der gesamte Parcours fertig sein.. Etrusker und Römer bilden schon jetzt einen glanzvollen Höhepunkt.

Di-So 10-18 Uhr, Do bis 22 Uhr, Altes Museum am Lustgarten. Infos: www.smb.museum

Von Andrea Hilgenstock

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.