Immer wieder Wiener Klassik: Der Pianist Alfred Brendel wird 80

Maßstäbe gesetzt

Ein Musiker mit Humor: Alfred Brendel. Foto:  dpa

Als Alfred Brendel 1949 als Preisträger des Busoni-Wettbewerbs seine internationale Musikerkarriere startete, mussten Pianisten noch nicht wie Filmstars aussehen. Man verzieh dem im mährischen Wiesenberg geborenen und in Zagreb aufgewachsenen Österreicher sogar seine häufigen Grimassen. Die ließen ihn oftmals so aussehen, als leide er beim Klavierspielen unter starken Schmerzen.

Heute, an seinem 80. Geburtstag, wird Brendel als einer der bedeutendsten Tastenkünstler der letzten Jahrzehnte gefeiert. Vor gut zwei Jahren beendete er zwar seine Konzertlaufbahn, unzählige Plattenaufnahmen dokumentieren aber seine Interpretationskunst. Mozart, Beethoven, Schubert und Liszt sind die Komponisten, mit denen er sich ein Künstlerleben lang auseinandersetzte.

Für viele Klavierfans sind Brendels Schubert-Aufnahmen das Maß aller Dinge. Auch hat er wesentlich dazu beigetragen, dass Liszts Klavierwerke ihren zweifelhaften Ruf als seelenlose Virtuosenmusik loswurden. Als Liedbegleiter war Brendel Partner unter anderem von Dietrich Fischer-Dieskau. 2009 erhielt Brendel den als „Nobelpreis der Künste“ geltenden Praemium Imperiale.

1971 verlegte Brendel seinen Wohnsitz von Wien nach London. Neben dem Klavierspiel wurde für ihn das Schreiben immer wichtiger. Außer Fachbüchern („Nachdenken über Musik“) schrieb Brendel zahlreiche Essays und machte sich als Verfasser skurriler Gedichte („Ein Finger zuviel“) einen Namen. Österreichischer und britischer Humor verbinden sich darin aufs Feinste.

Brendel ist in zweiter Ehe mit Irene Semler verheiratet und hat mit ihr drei Kinder. Sein Sohn Adrian ist ein bekannter Cellist. Aus seiner ersten Ehe mit Iris Heymann-Gonzala entstammt eine Tochter.

Lieblings-CDs: Beethoven: Die fünf Klavierkonzerte. Alfred Brendel, Klavier, Wiener Philharmoniker, Dirigent: Sir Simon Rattle. 3 CDs, Philips (Universal), 1999.

Von Werner Fritsch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.