„Materialiät“: Ausstellung im Kulturbahnhof

Kassel. Mit den stofflichen Aspekten von Kunst setzt sich eine Ausstellung mit vier Positionen im Kulturbahnhof auseinander.

Es sind eigenartige Schöpfungen aus Ton, die Monika Bodenmüller in der Ausstellung „Materialiät“ im Südflügel zeigt: Wie Schnäbel sehen manche Hohlformen aus, andere erinnern an Knospen, Früchte, Samen: Grundformen des Lebens in diesem irdisch-elementaren Material. Oder auch an überdimensionierte, aufgeschnittene Footballs.

Faszinierend sind die Objekte der im Hofgeismarer Stadtteil Kelze lebenden Künstlerin allemal - in ihrer Farbigkeit, Glätte und ihrem Glanz. Einen konkreten Nutzen haben sie nicht. Bei aller Ähnlichkeit gleicht keine Variation exakt der anderen. Ein Sinnbild für das Individuum in der Masse.

Die dritte Ausstellung in der diesjährigen Reihe „Linearität - Materialität - Identität“ der Gruppe 387 (bei der vom BBK bis zum Kunstbalkon zahlreiche Initiativen beteiligt sind) im Kulturbahnhof widmet sich dem stofflichen Aspekt von Kunst. In unserem digitalen Zeitalter mit der Vorherrschaft des Virtuellen habe die unmittelbare ästhetische Erfahrung durch Werkstoffe nichts an Bedeutung verloren, sagte Angela Makowski in ihrer Einführung.

Vier Positionen stellen das unter Beweis. Alle Künstler werden unter dem Oberthema mit einem Material präsentiert und auch darauf beschränkt, obwohl sie - wie etwa Bodenmüller mit Stein, Holz und Stoffen - vielseitiger arbeiten.

Der Kasseler Künstler Eugen Wolf hat das Ausgangsmaterial eines Bildhauers, einen Baumstumpf, halbiert, eine Hälfte um 180 Grad gedreht, beide übereinandergestellt und festgezurrt. Das hat etwas Gewaltsames - die Arbeit ist nach einer Arie aus Händels „Rinaldo“ „Lascia ch’io Pianga“ betitelt, „Lass mich weinen“ -, wirkt aber gleichzeitig fragil und gefährdet. Das Gebilde strömt Holzgeruch aus, den kein Computer ersetzen könnte.

Astrid Müller, die kürzlich ihr Studium bei Norbert Rodermacher an der Kunsthochschule beendet hat, legt und hängt Stoffbahnen aus. Neutrale Farben, die nicht als Bildträger genutzt werden. Ihr geht es um Architektur: wie Räume besetzt, Territorien markiert werden, Obdach geschaffen wird.

Glück und Glas, wie leicht bricht das: Wladimir Olenburg aus Bad Wildungen schließlich hat vor der Wand an der Stirnseite Glasplatten angelehnt und ausgelegt, einige sind zerbrochen. Transparenz und Leichtigkeit vor dem undurchdringlich-festen Beton. Das Licht reflektiert darauf immer wieder anders. Auch Zerstörung kann sehr schön sein.

Bis 20.9., täglich 14-18 Uhr, Eintritt frei. Museumsnacht am Samstag: 18.15, 20, 22 Uhr Kurzführungen. 17-20 Uhr Kunstworkshop für Kinder. Künstlergespräch 13.9. ,14.30 Uhr.

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