Matsche in der Birne: G. von Bambergs „Schlachdepladde“ im Starclub

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„Hör mir uff“: G. von Bamberg im Starclub. Der „schwule Vorhang“ passe besser nach Köln, meint der Kasseler Komiker.

Kassel. Nostalgische Gefühle entfalten, wie Psychologen wissen, positive Wirkung. Gemeinsam das Vergangene zu beschwören, schweißt zusammen.

Insofern war es ein kluger Schachzug des Kasseler Comedians G. von Bamberg, am Montagabend bei seinem „Neujahrsempfang“ im Starclub mit dem neuen, tollen Programm „Schlachdepladde“ nicht nur – mit der „Spiegel“-Jahreschronik als losem roten Faden – auf 2013 zurückzuschauen, sondern Merkwürdigkeiten von Kindheit und Jugend ins Gedächtnis zu rufen – jene Jahre, als man wegen „Bobbele“ Boris Becker sogar freiwillig Puma-Schuhe gekauft hat.

Früher gab’s Scout-Schulranzen, Nicki-Pullover, „Medizin nach Noten“ im DDR-Fernsehen und Dosenstechen mit Faxe-Dosen: „Wir waren Wirkungstrinker.“ Und heute? „Hör mir uff, was es alles gibbet. Da macht man was midde. Da wirste Matsche in der Birne.“ Low Carb, Intimrasur, Sprüche wie „Vadder, chill ma’ deine Base“, und beim Kindergeburtstag muss es statt Kegeln mindestens ein Besuch im Delfinarium sein. Alles ist schriller und schneller. „Toys R Us ist wie Sesamstraße auf Ecstasy.“

Auch ein paar Träume muss man mit den Jahren aufgeben. Wie das Berufsziel „Gehacktes-Fotograf“ für die Rewe-Werbung. Oder das perfekte Aussehen. Obwohl: „Ich bin nicht zu dick, an meinem Körper bricht sich nur das Licht scheiße.“

Eine grenzwertige Michel-Friedman-Passage („Schmierlappen“) hat einen langen Bart, aber meist setzt G. von Bamberg, der eigentlich Gerrit Bamberger heißt, seine Mundart-Pointen punktgenau, treffsicher. Die Wahl von Papst „Justus Bieber“ per „Ippchen Dippchen Silberlippchen“, das Begriffe-Raten beim Tabu-Spiel (Fidel Castro? „Das Gegenteil von Geige Bistro“) und Zauberkünste im Zugabenblock - zum Brüllen komisch. Ein Höhepunkt: Die Schilderung, wie Nachkriegsdeutschland aus Kieselsteinen erbaut wurde, zusammengehalten von den Kaugummis der Amerikaner, „und der SS-Mantel wurde mit Rote-Bete-Saft eingefärbt“.

Die 60 Besucher riefen im Chor, vom Komiker im höchsten Kasseläner Lob schlechthin unterrichtet: „Ma was Anneres!“ Und mehr noch: Sie haben vor Vergnügen gekrischen.

Von Mark-Christian von Busse

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