TV-Kritik: Wir sind nicht doof - Matthias Lohr über den Münchner "Tatort"

Über die im Dezember mit 68 Jahren gestorbene Redakteurin des Bayerischen Rundfunks, Silvia Koller, haben Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec eine hübsche Geschichte erzählt.

Wenn die Schauspieler zur Drehbuchbesprechung kamen und auf die Frage, ob sie was auszusetzen hätten, mit „Ja“ antworteten, sagte Koller: „Ich hasse euch.“

„Jagdzeit“ war die letzte von mehr als 50 Folgen, für die Koller verantwortlich war. Auf die Frage, ob man etwas auszusetzen habe, kann man nur sagen: „Nein.“

Es war ein Münchner „Tatort“ zum Verlieben - vor allem, wenn man noch den jüngsten Berliner „Tatort“ im Kopf hatte. 90 Minuten wurde dort mit dem moralischen Zeigefinger auf die Fehler im Gesundheitssystem verwiesen.

Regisseur Peter Fratzsche und Autor Peter Probst erzählten nun ebenfalls von sozialen Problemen - aber mit Leichtigkeit und Witz. Batic und Leitmayr hatten es mit der 13 Jahre alten Mordzeugin Nessie (toll: Laura Baade) zu tun, deren arbeitslose Mutter ihren Kummer in Magenbitter ertränkt und einen Zahn mit Kleber im Mund befestigt. Dieses Leben am Rand der Gesellschaft vergisst man nicht.

„Ich bin arm, aber nicht bescheuert“, sagte ein alter Mann. Auch die Zuschauer sind nicht bescheuert. Sie kommen ohne Zeigefinger aus.

Von Matthias Lohr 

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