Die Maus wird heute 40: ein Interview mit Christoph Biemann

Vor 40 Jahren flimmerten die ersten Sachgeschichten über den Bildschirm. In der „Sendung mit der Maus“ beantworten die Macher Kindern Alltagsfragen. Außerdem tauchen neben der Maus der Elefant und die Ente auf. Am Sonntag zeigt die ARD um 11 Uhr eine Jubiläumssendung.

Der grüne Pullover ist sein Markenzeichen: Christoph Biemann ist der Mann, der in den Sachgeschichten eine Frage beantworten will. Er ist dafür durch Flüsse gewatet, hat die Müllabfuhr begleitet und Atome erklärt. Im Interview spricht er über schlechtes Fernsehen, seine Tollpatschigkeit und Kinderfragen, an denen er scheitert.

Herr Biemann, in den Sachgeschichten sind Sie der liebenswürdige, aber immer auch etwas tapsige Christoph. Ist das eigentlich nur eine Rolle?

Christoph Biemann: Ich habe immer gedacht: Das bin ich wirklich. Aber dann hat mir jemand mal gesagt, dass ich völlig anders bin, sobald die Kamera läuft. Mein Ziel war und ist es jedenfalls, dass der Film-Christoph bestimmte Eigenschaften hat, mit denen wir Dinge gut erklären können. Ich hoffe nicht, dass ich so unbedarft bin wie der Christoph im Film.

Stört es Sie eigentlich nicht, dass Sie in der Rolle niemals sprechen?

Biemann: Nein, im Gegenteil. Die Rolle ist so angelegt, dass mir eine Sprecherin aus dem Off Tipps und Informationen gibt für meine Reise zum Wissen. Da muss ich nicht auch noch selbst sprechen.

Ihr Markenzeichen ist der grüne Pullover – können Sie erzählen, wie es dazu kam?

Biemann: Wir haben in den 80er-Jahren eine Sachgeschichte über Atome geplant. Da wussten wir: Wir drehen mehrere Tage. Nun muss man in allen Szenen das Gleiche anhaben, damit das nicht auffällt. Damals waren bunte Sweatshirts Mode, und ich hatte zufällig zwei grüne. Mir war klar: Wenn einer in der Wäsche ist, habe ich für den Dreh noch das andere. Irgendwie ist ein Markenzeichen daraus geworden.

In dieser Kluft haben Sie ja Hunderte Filme gedreht. Wie blicken Sie heute auf Ihre Sachgeschichten der Anfangstage?

Biemann: Mit Schrecken! Nein, im Ernst, Filme sind viel schneller geworden. Die Ironie ist: Früher wurde uns vorgeworfen, zu schnelle Schnitte zu machen. Heute wirft man uns eher vor, zu behäbig zu sein.

Sie erklären in den Sacheschichten ja oft Technik. Warum gibt es so wenige Beiträge über andere Themen?

Biemann: Zum einen ist das Interesse an Technik, auch an Tieren, bei den Kindern groß. Dazu kommt, dass geisteswissenschaftliche Dinge schwieriger umzusetzen sind. Man muss einen Zugang finden, dann kann etwa auch Malerei oder Musik umsetzen.

Gibt es auch Themen, wo Sie sagen: „Oh Gott, wie setzen wir das denn um?“

Biemann: Wo Sie den Gott gerade ansprechen: Wir sind gefragt worden, wo er wohnt. Keine Chance! Manchmal entscheiden wir uns bewusst gegen etwas. Neulich wollten wir erklären, warum man eine Erkältung bekommt. Doch die Lektion wäre: Wenn ihr euch nicht anstecken wollt, haltet euch von Menschen fern. Das war keine Botschaft, die wir verbreiten wollten.

Nicht alle machen sich so viele Gedanken wie Sie. Wie blicken Sie eigentlich auf andere Kinderprogramme?

Biemann: Da gibt es einiges, was ich gruselig finde. Unser Ansatz ist es, einen kleinen Teil der Welt zu erklären, eine Art Wundertüte. Es ist ein gutes Gefühl, etwas zu lernen. Das ist mehr als Unterhaltung. Ich kann auch Sendungen nicht leiden, in denen Kinder zwangsweise applaudieren und jubeln müssen. Auch Merchandising sehe ich kritisch.

Vieles davon gibt es aber auch bei Ihnen. Es gibt die Show „Frag’ doch mal die Maus“, und es gibt Produkte rund um die Figuren der Sendung. Messen Sie da nicht mit zweierlei Maß?

Biemann: Das ist etwas anders. Die Maus-Show ist für die Familie, da wird niemand aufgepeitscht. Wenn die Zuschauer applaudieren, haben Sie einen Grund dazu. Und was das Merchandising angeht: Es stimmt, so richtig glücklich bin ich nicht darüber. Aber es gehört wohl heutzutage dazu.

Knallen bei Ihnen im Büro die Sektkorken am Jubiläumstag?

Biemann: Aber sicher! Wir wurden eingeladen, beim Rosenmontagsumzug auf einem Maus-Wagen mitzufahren. Besser kann man in Köln ja nicht feiern. Das ist eine Ehre.

Zum Abschluss etwas, was Fans interessiert: Wird es die Maus in 40 Jahren noch geben?

Biemann: Wenn es die ARD dann noch gibt, garantiert. Natürlich wird die Sendung in 40 Jahren anders aussehen. Wir ändern ja auch jetzt stetig etwas. Aber die Sendung hat sicherlich eine Zukunft.

Sie stehen auch schon seit fast drei Jahrzehnten vor der Kamera. Ganz ehrlich: Machen Sie bald den Gottschalk und hören auf?

Biemann: Keine Angst! Ich bin froh, dass ich als Freiberufler nie in Rente gehen muss. Wenn die Zuschauer es wollen, dann werde ich auch weiterhin im grünen Pullover auf Entdeckungstour gehen.

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