Interview mit dem Ex-Box-Weltmeister

„Max ist mir voraus“: Henry Maske über seine Kino-Rolle

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Schauspiel-Debüt: Henry Maske als Max Schmeling.

Kassel. Eine Legende spielt eine noch größere Legende: Viele dachten an einen Witz, als der Trash-Regisseur Uwe Boll ankündigte, das Leben des ehemaligen Box-Weltmeisters Max Schmeling (1905 - 2005) mit dessen Nachfolger Henry Maske in der Hauptrolle zu drehen.

An diesem Donnerstag kommt das Filmporträt „Max Schmeling“, in dem auch der aktuelle Weltmeister und einst in Kassel trainierende Artur Abraham mitwirkt, in die Kinos. Wir sprachen mit dem 46-jährigen Maske.

Wie haben Sie sich gefühlt mit buschigen Augenbrauen und den längeren Haaren?

Henry Maske: Auch wenn man denken mag, die Augenbrauen wären aufgeklebt, ist das nicht der Fall. Meine vorhandenen Augenbrauen, die fast unsichtbar sind, wurden durch Färben sichtbar gemacht. Entsprechend buschig sah das Ergebnis dann aus.

Wladimir Klitschko sagte einmal, dass Sie der neue Max Schmeling wären - sehen Sie das ähnlich?

Maske: Nein, bin ich denn wahnsinnig? Der Max ist mir um Längen voraus. Ich würde mir nie anmaßen, solche Vergleiche zu ziehen.

Sie haben Schmeling getroffen, wie verlief die Begegnung?

Maske: Ich habe Schmeling von 1992 bis 2004 fast jedes Jahr einmal getroffen, und es entwickelte sich eine sehr angenehme und persönliche Beziehung zwischen uns. Ich bin stolz, dass Max mir sogar die Freundschaft angeboten hat. Einen Menschen mit so großer Erfahrung und dieser Vergangenheit kennenzulernen, hat mich sehr bewegt.

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Zur Person

Henry Maske (46)
Geboren: am 6. Januar 1964 in Treuenbrietzen (Brandenburg)
Erfolge: Olympiasieger 1988, Amateur-Weltmeister 1989, IBF-Weltmeister 1993-1996 Klasse: Halbschwergewicht
Status: Der Box-Gentleman Privates: Lebt mit seiner zweiten Frau und zwei Töchtern im Bergischen Land

ie geben mit diesem Film Ihr Schauspiel-Debüt - wie viel Schauspieler steckt in einem Boxer, wenn er im Ring steht?

Maske: Ich habe im Ring definitiv nie geschauspielert. Es gab gar keine Möglichkeit, etwas publikumsgerecht zu machen - das hätte jeder Gegner sofort ausgenutzt. Boxen war für mich immer eine ernstzunehmende Sache. Natürlich gibt es um den Ring herum gewisse Unterhaltungsmomente. Aber entscheidend war immer, was im Ring passiert - deswegen kann man Boxen und Schauspiel überhaupt nicht miteinander vergleichen.

Am Ausbau der Unterhaltungsmomente um den Ring hatten Sie keinen geringen Anteil: Pompöse Musik zum Einmarsch sowie auffallende Bademäntel.

Maske: Vorsicht! Es handelt sich um Wettkampfmäntel, nicht um Bademäntel. (lacht) Aber es stimmt, diese Elemente wurden Teil des neuen Entertainments.

Das Boxen zu Schmelings Zeiten sah anders aus als heute, wie schwierig war es für Sie, heute so wie damals zu kämpfen?

Maske: Alle Sportarten verändern sich, das gilt auch für das Boxen. Der Stil ist kompakter und schneller geworden. Insgesamt ist heute alles aktiver. Meine Schwierigkeit lag vor allem darin, dass Schmeling komplett anders herum stand. Seine Führungshand war die Linke, meine die Rechte - das ist nicht so einfach.

Haben die Filmgegner sich getraut, richtig zuzuschlagen?

Maske: Ich musste sie sehr motivieren, dass sie auch mal härter schlagen. Auch Arthur Abraham. Ich bin gut in der Lage, einen Schlag so rüberzubringen, dass er hart ist, der Kopf auch erschüttert wird, er aber bei weitem nicht so hart ist wie im realen Kampf.

Wie groß war Ihre Angst, als Schauspieler k.o. zu gehen?

Maske: Diese Angst gab es absolut. Es handelte sich ja nicht nur um eine Hauptrolle und die Darstellung einer Legende, sondern die Aufgabe bestand darin, diese Figur auch so zu spielen, dass der Zuschauer sie nachempfinden kann. Das war harter Toback und hat mir einige Zweifel bereitet.

Was halten Sie generell von Boxfilmen?

Maske: Die „Rocky“-Filme haben mich früher als Boxer begeistert, wenn es um Motivation ging: Man hat einen Willen, und geht dafür seinen Weg. Die Boxszenen vergessen wir lieber. Mein absoluter Favorit ist „The Million Dollar-Baby“ von Clint Eastwood. Dort bekommt man die Realität des Boxsports wunderbar erzählt.

Gab es „Rocky“ in der DDR überhaupt zu sehen?

Maske: Glücklicherweise waren Antennen grenzenlos.

Regisseur Uwe Boll gilt bei vielen Kritikern als Schmuddelfilmer. Kannten Sie sein Werk?

Maske: Im Laufe der Zeit wurde mir sein Image schon klar, ich wusste, dass ich mich da auf etwas einlasse. Aber das ist doch eine brisante Mischung: Der angeblich schlechteste Regisseur und ich als Nobody im Schauspiel-Geschäft. Für mich war dieser Film kein Risiko. Ich bin ja kein Schauspieler, insofern kann ich schlimmstenfalls nur scheitern.

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