Es gab Lieder vom kaputten Teil des Lebens, sie machten aber nicht traurig

Maxim, die reimende Meckerliese im Kasseler Kulturzelt

Seine Stimme trifft einen ins Mark: Maxim beim Auftritt im Kasseler Kulturzelt. Foto: Fischer

Kassel. Wenn Sänger sich von der Musik, die sie einmal gemacht haben, distanzieren wollen, sprechen sie davon, dass sie sich weiterentwickelt haben.

Davon, dass sie mit der neuen Musik endlich bei sich angekommen sind. Wenn der Kölner Sänger Maxim das macht, klingt das so: „Die Musik, die ich früher gemacht habe, war echt schlecht.“ Sagt er, lacht und spielt seine neuen Lieder im Kasseler Kulturzelt.

Früher stand Maxim für deutschsprachige Reggaemusik. Heute ist er Popmusiker, auch dazu steht er. Doch bekommt das Publikum am Samstagabend keinen Gute-Laune-Singsang zu hören. Maxim singt über den kaputten Teil des Lebens. Macht aus schlechter Laune Hits.

Dabei sieht der 35-Jährige, wenn er sich in Jeans und schwarzem Pulli etwas ungelenk zur Musik bewegt, zwar aus wie einer der vielen Jungs mit Gitarre(n), die sich gerade in den Charts tummeln, doch hört er sich ganz anders an. Seine Stimme ist rau, fast kratzig, trifft einen ins Mark. Seine Texte sind nie unbeschwert, immer auch düster. Kitschig wird er nicht.

„Spiel meine fröhlichsten Noten für das sinkende Schiff“, singt er in „Pille aus Luft“ und gibt damit die Richtung vor. Für das Publikum hat er einen Tipp: „Wenn das Tempo so schnell wird, dass man langsam anfangen kann, mit dem Arsch zu wackeln, solltet ihr es schnell tun, denn direkt danach wird es wieder ganz finster“, sagt er und grinst. Für den Gegensatz und somit das Gleichgewicht sorgen die treibenden Melodien. Der Sound schafft es, dass es nicht zu traurig wird, dass getanzt wird – hellere Instrumentierung. Es gibt schnellere Tempi, dadurch klingt alles druckvoller und energischer. Die Ansagen von Maxim, der ein Geschichtenerzähler ist, zeigen, er hat tatsächlich auch Humor. „Kassel, ich bin eine Meckerliese“, verkündet er. Und schon meckert er reimend los: über Fremdenhass („Wut“), Verschwendung, Schönheit („Was wirklich schön macht, ist das Unperfekte“).

Er singt „Tourist“, ein Lied seines neuen Albums „Das Bisschen was wir sind“. Gemeinsam mit Rapper Marteria hat er den Song aufgenommen. „Der ist in der Zwischenzeit ein Weltstar geworden. Ich nicht.“ Wieder dieses freche Grinsen. Nein, er ist kein tieftrauriger Zweifler. Maxim will nur nicht von Kleinkram singen, sondern von Dingen, die ihn bewegen. Dass man die Eigentore feiern („Willkommen im Club“) und Erinnerungen sammeln sollte („Amnesie“), denn nur sie zählen am Ende.

Fast nebenbei spielt er seinen größten Hit „Meine Soldaten“ vom Album „Staub“, mit dem er 2013 in den Charts war. Ja, Maxim klingt nach Popmusik, für kurze Augenblicke nach HipHop („Hype“). Musikalisch scheint er gerade bei sich angekommen, doch wird er nicht stillstehen – wenn er sich irgendwann an seinen Auftritt in Kassel erinnert, kann er zufrieden sagen: „Die Musik, die ich früher gemacht habe, war nicht schlecht.“

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